TRANSKRIPT
Daniel: Das ist die neue Folge, Alle guten Dinge, und alle guten Dinge sind in der Regel drei. Und hier sind Rouven und Daniel und wir haben beide drei Kinder, deswegen haben wir diesen Podcast so genannt. Hallo zusammen.
Rouven: Ich glaube, das muss man zwischendurch noch mal wiederholen.
Daniel: Vielleicht steigt auch jetzt irgendwer zufällig mit der Folge ein und hört zum ersten Mal rein. Und da ist es gar nicht so schlecht, mal darüber zu sprechen.
Rouven: Denn wir kamen zu der Idee, den Podcast zu machen, weil wir beide nach unserem ersten Kind noch mal Zwillinge bekommen haben und lustigerweise…
Daniel: …die dann im gleichen Abstand alterstechnisch waren.
Rouven: Und dann haben wir gedacht, darüber müssen wir mit euch sprechen, denn vielleicht geht es euch ähnlich, vielleicht habt ihr auch drei Kinder, vielleicht habt ihr auch nur ein Kind, vielleicht habt ihr gar kein Kind, bereitet euch nur darauf vor. Auf jeden Fall nehmen wir euch mit hier ins alltägliche Chaos. Für heute war eigentlich angedacht, dass wir uns 12:30 Uhr treffen zur Aufnahme.
Daniel: Und bei mir war es so, ich habe den Kleinen, den den größeren Kleinen, habe ich noch ins Bett gebracht und der hat um 12:28 Uhr gesagt: "Papa, gleich wieder runtergehen." Um 12:29 Uhr ist er eingeschlafen und um 12:30 Uhr saß ich vorm Computer. Da schrieb Rouven: "Ich telefoniere noch mit dem Chef." Jetzt haben wir eins.
Rouven: Ja, man muss ja einige Sachen unter den Hut bekommen, wenn man noch neben dem Elternsein und Arbeiten einen Podcast aufnimmt.
Daniel: Absolute Katastrophe. Aber hey. Ich weiß nicht, ob ihr die letzte Folge gehört habt. Falls nicht, auf jeden Fall empfehlenswert. Ich habe erzählt, wie unsere Geburt war im Krankenhaus und ich möchte euch gerne in dieser Folge noch mal mitnehmen, zurück in den Kreißsaal und vor allem über die Zeit nach der Geburt erzählen. Kurzer Recap: Unsere Geburt war wirklich bilderbuchmäßig mit den Zwillingen. Es hat alles wunderbar funktioniert mit der Einleitung, das ging relativ schnell im Kreißsaal. Die Geburt, ja, vorbildlich, alles natürlich, beide kamen nacheinander, beide waren fit am Anfang, muss man sagen. Denn danach, ja, danach wurde es dann ein bisschen wuseliger als die Geburt an sich.
Rouven: Also, folgende Situation: Beide Kinder sind da. Die Ärzte haben auch erst mal draufgeschaut auf beide Kinder, haben gesagt: Nee, alles super, alles perfekt. Und bei so einer Zwillingsgeburt stehen – also bei uns waren es neun Leute, wie viele waren es bei euch?
Daniel: Fünf oder sechs waren das bei uns.
Rouven: Es sind auf jeden Fall massig Leute dann plötzlich im Kreißsaal, die dann bei der Geburt dabei sind, und das lichtet sich dann hinterher so ein bisschen, wie wenn das Konzert vorbei ist. Wenn die Band schon nicht mehr auf der Bühne ist, da wird es auch immer weniger. Da gibt es auch so ein paar Letzte, die da, die da rumstehen und ihr Bier zu Ende trinken. Und so ist es dann nach einer Geburt auch. Da sind in der Regel alle Ärztinnen und Ärzte schon wieder weg, dann ist die Hebamme noch da und man selbst ist halt mit der kleinen Familie am Start und kommt erst mal so ein bisschen in dieser Welt an.
Daniel: Und das war die Situation bei uns, als wir plötzlich festgestellt haben, dass unser erstgeborenes Kind an dem Tag, also das zweite Kind insgesamt, aber da das erstgeborene Kind, das hat beim Atmen immer so Geräusche gemacht. Es hat immer nur gemacht: Hm. Hm. Hm. Hm. Die ganze Zeit beim Atmen.
Rouven: So ein Röcheln oder so ein…
Daniel: Ja, so eine Art Röcheln war das schon und erst habe ich gedacht, das ist ja voll süß, was er da macht. Und das also, ich kann die Kinderstimme natürlich jetzt nicht nachmachen, aber wenn so ein ganz, ganz kleines Baby so Geräusche macht, da habe ich gedacht, oh, das ist ja mega süß. Er hat aber damit nicht aufgehört und es haben am Anfang natürlich die Ärztinnen und Ärzte drauf geschaut und gesagt, alles okay, aber irgendwann meinte die Hebamme so: "Warte mal, ich muss noch mal jemanden rufen. Irgendwie gefällt mir das doch nicht ganz, dass er die Geräusche macht." Dann hat sie erklärt, es kann halt verschiedene Gründe haben. Unter anderem kann es sein, dass da einfach noch Wasser in den Atemwegen ist oder aber dass dem Kind gerade zu kalt ist, die Herzfrequenz nicht mehr passt. Auf jeden Fall ist dieses dauerhafte, ständige Röcheln eigentlich ein Zeichen dafür, dass es dem Kind gerade nicht so wahnsinnig gut geht.
Rouven: Ja, und dann die nächste Kinderärztin gerufen und die hat gesagt, hier, ich schaue noch mal drauf. Alles noch mal untersucht und meinte, nee, also eigentlich kann ich nichts feststellen. Komisch, dass er die Geräusche macht, vielleicht macht er die aber auch nur einfach. Also die Option gibt es halt auch. Ja, und dann war die Kinderärztin wieder weg und dann meinte die Hebamme so: "Wisst ihr was, wir machen das jetzt folgendermaßen: Es gibt so Kinder, die erstmal in dieser Welt ankommen müssen. Für die das einfach alles zu viel ist mit dieser ganzen Geburt und die danach völlig fertig sind und eigentlich nur Nähe brauchen und Wärme und die erstmal in Ruhe gelassen werden müssen." Dann hat die den ganz, ganz warm eingepackt und hat mir gesagt: "Komm, leg dich mal in das Bett da vorne." Hat mir den Kleinen auf die Brust gegeben, dass wir beide zusammen erstmal da liegen und er meinen Herzschlag hören kann und erstmal spüren kann, dass alles gut ist. Und er hat halt die ganze Zeit weitergemacht: Hm. Hm. Hm. So halt.
Daniel: Und dann habe ich gedacht, ja, vielleicht muss er wirklich erstmal ankommen und habe halt mit ihm gesprochen, habe gesagt: "Ey, schön, dass du da bist, wir sind alle da, es ist alles gut." Und jedes Mal, wenn ich mit ihm gesprochen habe, hat er kurz aufgehört. Hm. Für 20, 30 Sekunden. Dann hat er wieder angefangen: Hm. Hm. Hm. Und das ging irgendwie fünf, sechs Mal oder so, dass ich immer gesagt habe: "Ey, wir sind alle da, es ist alles gut. Jetzt haben wir das Gröbste hier geschafft und wir bleiben jetzt hier zusammen." Und wieder aufgehört. Und später wieder angefangen. Und irgendwann meinte die Hebamme so: "Ich muss noch mal eine Kinderärztin rufen. Das ist, wenn der wirklich noch Wasser irgendwo in der Lunge hat oder irgendwie was anderes ist, wir müssen da noch mal drauf schauen." Dann kam die nächste Kinderärztin und hat ihn noch mal untersucht und vor allen Dingen hatten wir in dem Moment ja sogar noch den Vergleich mit einem anderen Kind, was halt auch da war. Und bei dieser zweiten, es war die dritte Untersuchung, hat man halt gemerkt, dass irgendwie auch sonst was nicht richtig ist mit dem Kleinen. Also plötzlich, nachdem das am Anfang völlig okay war, waren die Muskeln so ein bisschen schlaffer, man konnte so den Arm hochnehmen und dann ist er einfach wieder runtergefallen, man konnte ihn so leicht rückwärts fallen lassen, natürlich wieder auffangen und so, aber er hat das alles mit sich machen lassen, ohne auch diese Schreckmomente zu haben und so. Und er ist auch beim Ansprechen ist er nicht mehr wirklich wach geworden. Hat die ganze Zeit immer wieder sein Röcheln dabei gehabt.
Rouven: Ja, und dann meinte die Ärztin noch, wir müssen mal einmal Blutzucker messen und dann hat sich halt rausgestellt, dass der Blutzucker nicht gepasst hat. Dann hat er so eine richtig fette Zuckerlösung bekommen. Und dann haben wir noch mal eine Stunde gewartet und dann wurde Blutzucker noch mal gemessen. Der war dann okay, aber die anderen Anzeichen, die körperlichen Anzeichen, die waren halt immer noch nicht okay. Aber immer wieder dieses, wenn man mit ihm gesprochen hat, hat er aufgehört mit diesem hm, hm, hm. Dann kam die vierte Kinderärztin. Da war die Geburt dann inzwischen, ich glaube vier Stunden her oder so und die hat ihn auch noch mal untersucht und die hat dann gesagt: "Ich, es tut mir leid, ich muss den Knoten jetzt durchschlagen, ich muss den mitnehmen. Das geht nicht. Also, so gerne ihr jetzt zusammen mehr auf die Wochenbettstation wollt, ich muss den Kleinen jetzt mitnehmen. Wir schicken den auf die Säuglingsstation. Das Einzige, was jetzt noch bleibt, ist eigentlich, dass der einen Infekt hat. Und dann muss ich dem Antibiotikum geben." Das war halt so ein echt so ein Knackpunkt, weil du natürlich nach so einer Geburt davon ausgehst, dass du als Familie dann da aus dem Kreißsaal rausgeschoben wirst oder gehst oder wie auch immer und dass du zusammen bist und irgendwo auf einer Wochenbettstation landest. Und plötzlich heißt es, wir müssen das Kind jetzt mitnehmen.
Daniel: Ja, das ist krass, weil man, wie du sagst, das ist so, man plant so bis zur Geburt hin und hofft in der Geburt, alle sind gesund, der Frau geht's gut, den Kindern geht's gut, alle sind versorgt. Und dass danach halt auch noch was kommen kann, obwohl das glaube ich bei Zwillingen gar nicht so selten ist. Darüber macht man sich oder will man sich vielleicht auch gar keine Gedanken machen.
Rouven: Genau, das ist es halt.
Daniel: Dann ist das krass.
Rouven: Man denkt wirklich immer bis zur Geburt und dann fällt halt so alles von dir ab, weil du denkst, beide Kinder sind da, beide haben geschrien, beide haben ein bisschen was getrunken, beide sind erstmal weggepennt. Deiner Frau, Freundin, Partnerin geht's auch gut und du denkst, ja geil, alles geschafft. Und dann kommt plötzlich der Moment, wo nach so einer ganzen Periode, die halt dann auch 9 Stunden, 10 Stunden gedauert hat, kommt halt so die Message: Nee, wir nehmen den Kleinen jetzt mit. Und das heißt ja auch für dich als Paar, dass es dann in dem Moment bedeutet: Ja, okay, ich gehe jetzt mit auf die Säuglingsstation und du gehst mit dem anderen Kleinen auf die Wochenbettstation. Und das heißt innerhalb von 5 Minuten von der Botschaft "Ich muss den jetzt mitnehmen" bis hin zu "Ja, wir sind jetzt auf getrennten Wegen unterwegs." Das ist wirklich so ein krasser Moment gewesen, weil man damit echt überhaupt einfach gar nicht rechnet.
Daniel: Ja, und dann war es so, dass die Kinderärztin den Kleinen genommen hat und ich habe halt sofort gesagt, ich gehe halt mit, ich gehe mit auf die Säuglingsstation, weil ich lasse mein Kind ja jetzt auch nicht alleine, so gerne ich bei meiner Partnerin in dem Moment dann gewesen wäre. Und dann sind wir halt da raus, sind wir in den Aufzug, ins andere Stockwerk gefahren. Du denkst halt echt, das ist wie im falschen Film, plötzlich so dieses super kalte Krankenhauslicht, was du da hast. Und dann da oben auf diese Säuglingsstation, in so einen Behandlungsraum und da war halt so ein, ja, da war im Prinzip wie so ein Stuhl, der natürlich völlig überdimensioniert war für jetzt so ein kleines Kind, konnte man aber ganz gerade fahren. Und so ein helles, gleißendes Licht und dann liegt halt das kleine Kind da, das war halt in dem Moment halt auch noch nicht angezogen und wird halt so beschienen von diesem gleißenden Licht und dann in dem Moment passieren halt folgende Dinge: Da musste dann halt Blut abgenommen werden, das heißt, da kamen halt drei Spritzen in den kleinen Arm rein, dann musste ein Zugang gelegt werden, in die Hand rein und der Kleine lag da und war am Anfang tatsächlich echt auch noch so ein bisschen, so ein bisschen lethargisch. Und dann ist aber folgendes passiert, dass er irgendwie, je mehr er dann beschienen wurde und je mehr er irgendwie hin und her gerollt wurde und man hat halt gemerkt, das gefällt ihm jetzt gar nicht. Er ist halt plötzlich immer wacher geworden. Also genau das Gegenteil von dem, was vorher passiert ist, dass er plötzlich immer wacher geworden ist und nachdem er zwei Stunden schon gar nicht mehr irgendwelche Geräusche außer diese Atemgeräusche gemacht hat, hat er wieder angefangen zu schreien. Dann hat er wirklich gemeckert und gesagt, hier, ich will das alles nicht. Die Augen waren plötzlich wieder da, er hat halt wieder Muskelspannung gehabt. Und ich habe gedacht, das ist doch das völlige Gegenteil von dem, was gerade unten passiert ist und wir haben alle gesehen, dass dem in dem Moment nicht gut ging und dass er nicht da war und dass er anders war als der andere Kleine. Aber jetzt gerade ist er doch wieder komplett da.
Rouven: Die Ärztin hatte unten gesagt, ich muss dem jetzt ein Antibiotikum geben, weil das Einzige, was halt bleibt, wenn das Kind ansonsten zuckermäßig und so da ist und wenn die Temperatur passt und so, ist eigentlich nur noch, dass das Kind einen Infekt hat, auch wenn wir gerade nicht wissen, welcher Infekt das sein kann. Streptokokken bei meiner Partnerin war auch negativ, das wurde halt vorher geguckt und so, auch alles noch mal überprüft und sagt halt, das Einzige, was jetzt bleibt, ist, dass es halt ein Infekt ist und wir wissen nicht, welcher Infekt, aber wir müssen dem jetzt ein Antibiotikum geben. Und dann oben auf diesem Behandlungsstuhl war es halt für mich als Vater so ein krasser Moment, weil ich plötzlich gesehen habe, das Kind ist anders als unten. Und es war plötzlich nicht mehr so lethargisch. Und ich habe gedacht, was ist denn, wenn diese andere Hebamme einfach Recht hatte, dass er erstmal auf dieser Welt ankommen musste? Was, wenn er einfach super müde und super erschöpft war? Und was, wenn er einfach nur müde war in dem Moment? Und ich habe halt dann überlegt, was mache ich denn jetzt? Ich habe jetzt gerade hier das Gefühl, dass mein Kind plötzlich völlig anders ist. All die Anzeichen, dass es ihm nicht gut geht, die sind halt jetzt gerade nicht mehr da. Und gehe ich jetzt in diese Diskussion, Konfrontation und sage ich ihr das? Und habe mich dann dafür entschieden, einfach zu sagen: "Liebe Ärztin, der ist doch jetzt gerade völlig anders, müssen wir dem denn jetzt das Antibiotikum geben?" Und sie meinte dann so: "Ich habe mich eigentlich unten festgelegt, dass der jetzt ein Antibiotikum braucht, weil der im Prinzip alle Anzeichen hat dann für eine für einen Infekt und so, aber ich sehe gerade auch, dass der komplett anders ist." Und im Grunde genommen dann mit diesem Gespräch, in diesem Gespräch, habe ich halt gesagt, dass ich eigentlich gerne möchte, dass er kein Antibiotikum bekommt, weil ich gerade das Gefühl habe, dass er komplett anders ist. Sie war erstmal für das Antibiotikum, weil sie natürlich auch diese Verantwortung trägt. Und am Ende war es so, dass ich gefragt habe, wie lange dauert das denn jetzt, bis wir wissen, dass er einen Infekt hat oder dass er keinen Infekt hat, weil sie ihm ja Blut abgenommen haben, das ist direkt ins Labor gegangen. Und sie meinte dann, das kann jetzt eine ganze Stunde dauern, bis die Ergebnisse da sind. Obwohl ich gemerkt habe, wow, krass, was haben wir denn hier nur für ein Zeitfenster, über das wir sprechen, bei so kleinen Kindern. Dass eine Stunde dann schon einen Unterschied macht, ob man die Stunde jetzt abwartet oder nicht. Und am Ende war es dann so, dass sie gesagt hat, wir machen jetzt Folgendes: Wir schließen den jetzt an alle Geräte an und überwachen alle Werte, die wir haben. Und wenn irgendein Anzeichen dafür da ist, dass es dem schlechter geht, dann bekommt er sofort das Antibiotikum, ansonsten warten wir die Stunde ab.
Daniel: Und das war, es war irgendwie für mich richtig, richtig krass, weil ich bin überhaupt gar nicht gegen Antibiotikum. Ich finde, das ist ein großartiges Mittel, um Menschen zu heilen. Also damit kann man wirklich tolle Dinge machen. Auf der anderen Seite habe ich so als Laie immer auch das Gefühl, dass Antibiotikum auch sowas ist, was man halt nicht so überdimensionieren sollte in seinem Leben, weil es hinterher halt nicht mehr wirkt. Das mag jetzt aus medizinischer Sicht halt irgendwie anders sich noch mal darstellen und so, aber irgendwie bekommt man das auch immer mit, dass es halt echt auch ein heftiges Medikament ist. Und ich habe irgendwie das Gefühl gehabt, bei so einem kleinen Körper, der plötzlich dann doch wieder Energie hat, also irgendwie doch keine Anzeichen für einen Infekt, zumindest geht's nicht linear bergab. Da dann drei Tage lang Antibiotikum reinzuhauen, das ist ja auch eine Bürde, eine körperliche Bürde, die man mitnimmt und irgendwie wollte ich mein Kind davor beschützen, weil ich das Gefühl hatte, dass ihm besser geht. Gleichzeitig habe ich hinterher gedacht, was für ein Idiot bin ich eigentlich, wenn eine Stunde dann einen Unterschied machen kann und was, wenn der Infekt doch da gewesen wäre? Dann hätte ich, also, da wäre ich ja wahrscheinlich meines Lebens nicht mehr froh geworden.
Rouven: Ich bin da völlig bei dir. Wir hatten etwas später ja die ähnliche Situation, dass die der Erstgeborene oder die erstgeborene Zwilling, dass die Zwillingsdame auch so Fieber hatte abends und die ist ja dann auch ins Krankenhaus und hat auch ein Antibiotikum bekommen. Und dann war es da aber auch immer wieder mit dem gibt man noch Antibiotikum oder nicht und wieder und wir wissen nicht und die wussten wieder im Endeffekt dann auch nicht genau wieder, was es war. Ich kann das vollkommen nachvollziehen, dass man sagt, wenn man so ein schlechtes Bauchgefühl hat dabei, dass man auf jeden Fall es anspricht und ausspricht, weil manchmal ist so viel los auch außenrum oder die, das sind ja auch Ärzte sind ja auch nur Menschen, die wissen sehr, sehr viel und alles, aber wenn man skeptisch ist, einfach seine Frage zu stellen. Und dann kann man immer sagen, wenn dann die Ärztin sagt, das geht auf keinen Fall, die Ärztin hätte dir auf jeden Fall, wenn die sagt, das kann ich nicht verantworten, das machen wir jetzt, dann ist es so. Und ja, die Stunde ist da kritisch bei so kleinen Menschen, aber ich glaube auch nicht, dass sie es dann soweit hätten kommen lassen, dass es schlimmer ist. Vielleicht wäre es dann noch einen Tag länger gewesen, dass man da bleiben muss sonst oder sowas. Aber wenn man sagt, es ist es nicht, oder man hat da wirklich ein starkes Gefühl und du hast ja auch gesagt, er war ja wieder viel aktiver und hat wieder hochgefahren. Bei uns, die war, die hatte 40 Grad und ist fast durch Maxi-Cosi geschmolzen. Da machst du dann nichts mehr an der Diskussion und da musst du halt auch sofort los und handeln.
Daniel: Ja, klar, natürlich.
Rouven: Wenn wirklich was ist, vor allem auch wenn mit dem Ansprechen, wenn das schon hilft, damit sich das andere beruhigt, sind das ja alles Indikatoren für das andere.
Daniel: Genau, das war halt auch das Ding, dass ich gedacht habe, auch unten hat er ja immer wieder aufgehört mit seinem röchelnden Atem, sobald ich mit ihm gesprochen habe und das waren halt so Dinge, wo ich gedacht habe, vielleicht muss er wirklich einfach auf dieser Welt erstmal ankommen. Aber das ist natürlich was, was du medizinisch auch gar nicht greifen kannst. Wenn so ein Kind dann erstmal so total schlapp ist und so, da kannst du ja nicht sagen, der muss erstmal ankommen, warten wir mal zwei Tage und am Ende ist es zu spät und gerade wenn du da behandelnde Ärztin bist, in dem Fall, da musst du natürlich auch die Verantwortung tragen und dass man dann sagt, ich gebe jetzt lieber mal das Antibiotikum und dann sind wir safe, als wir lassen es drauf ankommen. Das kann ich halt auch voll verstehen.
Rouven: Naja, auf jeden Fall war es dann halt so, wir sind oben auf dieser Säuglingsstation geblieben, nachdem dann alles verkabelt wurde und sämtliche Geräte angeschlossen worden sind und er auch eine Infusion bekommen hat. In dem Fall, glaube ich, war es erstmal Kochsalz, einfach damit er halt auch genug Flüssigkeit hat und so. Ist er mir halt wieder auf die Brust gelegt worden, so Haut an Hautkontakt und ich habe halt den Monitor gesehen mit den Werten und die Herzfrequenz war tatsächlich auch relativ niedrig in dem Moment. Das ist bei so kleinen Kindern so eine Art Teufelskreis, dass die die Temperatur noch nicht halten können. Dann werden die halt zu kalt und dann geht die Herzfrequenz runter und ja, im Prinzip geht's dann, man hat das Gefühl, die schlafen halt ganz friedlich, aber am Ende können sie halt einfach nicht nicht wach werden, weil sie von allen Werten her halt zu niedrig sind und er hatte halt zu wenig Temperatur und gleichzeitig eine zu niedrige Herzfrequenz und dann lag er so auf mir drauf, hatte eine Herzfrequenz von 100 und die Hebamme meinte, dass eine Herzfrequenz von 120 eigentlich das ist, was man so erreichen sollte. Und dann war es tatsächlich auch wieder sehr bezeichnend. Wir hatten halt in dem Moment noch nicht die Ergebnisse, ob ein Infekt da ist oder nicht, aber wir haben bei einer Herzfrequenz von 100 gestartet und im Prinzip mit jeder Minute, die er auf mir lag und wo dann Ruhe war, ging die Herzfrequenz nach oben. Er ist halt immer wärmer geworden und dann waren wir plötzlich bei 103, dann waren wir bei 105, dann waren wir bei 107 und es ging immer weiter nach oben und je mehr die Herzfrequenz nach oben ging, desto mehr fing er auch an, wieder so zu greifen, also einfach Greifreflex und dann haben auch die Beine gezuckt und so. Am Anfang lag er wirklich wie so ein schlapper Sack, wie unten im Kreißsaal auch noch auf mir drauf. Und als wir so bei 115, 117 waren von der Herzfrequenz, ist er dann auch noch mal wach geworden und wollte dann auch was trinken. Was halt für mich dann auch alles wieder so Anzeichen waren, dass es am Ende die richtige Entscheidung war. Es kam hinterher auch die Nachricht, es war kein Infekt da, also wir haben zurecht kein Antibiotikum gegeben. Und es war wahrscheinlich wirklich so, dass der einfach nur sehr schlapp war, ein bisschen kalt war, die Temperatur nicht halten konnte und dass es einfach sehr, sehr, sehr viel Anstrengung für ihn war. Und dann haben wir das so gemacht, dass meine Freundin Kolostrum unten abgestrichen hat in eine Spritze und eine Schwester von der Wochenbettstation immer mit dem Aufzug nach oben gefahren ist, alle zwei Stunden. Und dann mit dem Kolostrum ankam, so dass ich meinem Sohn dann mit der Spritze das Kolostrum in den Mund geben konnte, dass er ja zwischendurch auch was trinken konnte. Und ja, das war, das war halt so quasi dann die erste Nacht. So Richtung Ende der Nacht habe ich dann gefragt, ob wir nicht, wenn jetzt die Werte passen, und bis dahin hatten wir auch das Ergebnis, dass kein Infekt vorliegt, ob wir nicht einfach mit dem Bettchen nach unten fahren können, dass er halt auch trinken kann und bei seiner Mutter ist. Das haben sie gesagt, dass es eigentlich nicht üblich ist, aber weil ja jetzt kein medizinischer Grund dafür da ist, dass er zwingend hier oben bleiben muss und der Infekt ja ausgeschlossen werden kann, würden sie es halt einfach mal erlauben und dann sind wir halt alle anderthalb, zwei Stunden mit dem Bettchen nach unten gefahren, damit er dann da trinken konnte und dann wieder nach oben und dann wieder nach unten und dann wieder nach oben. Ja. Und so haben wir dann im Prinzip zwei, zweieinhalb Tage da verbracht, weil sie natürlich nach dieser ganzen Geschichte erstmal alles ausschließen wollten und dann halt noch sämtliche Werte in den nächsten Tagen kontrolliert haben.
Daniel: Ah.
Rouven: Am Ende war er genauso gesund wie unser zweites Kind. Er hatte halt einfach nur da ein bisschen mehr Startschwierigkeiten gehabt. Dann sind wir runtergekommen an einem Sonntag von der Säuglingsstation, haben gedacht, geil, ganze Familie jetzt wieder vereint, sind nach unten, haben die beiden dann da zusammen in Bettchen gelegt und so, so die Familienzusammenkunft, die man sich eigentlich direkt nach der Geburt gewünscht hätte. Und dann kamen Großeltern auch vorbei und unser großer Sohn und so weiter, richtig viel Aufruhr. Und Richtung Nachmittag hat man die Blutzuckerwerte noch mal kontrolliert bei beiden und dann war tatsächlich bei dem einen der Blutzucker so krass im Keller, dass es hieß, ihr müsst jetzt sofort wieder zurück auf die Säuglingsstation.
Daniel: Boah.
Rouven: Also haben wir quasi dieselbe Situation dann ein paar Stunden später wieder gehabt und das war natürlich dann der absolute Downer, weil halt auch noch die ganze Familie da war, unser großer Sohn, also auch so ein Moment, auf den man sich halt freut, dass dann alle zusammen sind und er sieht das erste Mal seine Brüderchen. Ja, und dann ging es wieder zurück auf die andere Station.
Daniel: Aber der gleiche.
Rouven: Doch, der gleiche. Es war der gleiche. Es war der gleiche.
Daniel: Nicht noch im Wechsel, okay.
Rouven: Das war der gleiche, aber anderes Problem. Also diesmal war es dann tatsächlich nicht Infekt oder irgendwie sowas, sondern es waren halt die Blutzuckerwerte, die nicht gepasst haben. Was wohl auch bei Kindern ein Problem ist, die halt relativ früh kommen. Sie waren ja keine Frühchen mehr, aber sie waren auch nur um einen Tag keine Frühchen mehr, dass der Körper halt die ganzen Werte noch nicht so hundertprozentig halten kann. Bei den einen geht's besser, bei den anderen weniger. Hinterher meinte eine Hebamme zu uns, dass in der Regel bei Zwillingen immer einer solche Startschwierigkeiten hat, in der Regel auch bei Jungs, bei Mädchen geht's häufiger gut. War ja bei euch auch, bei euch ging es ja auch gut dann im Krankenhaus. Naja, auf jeden Fall haben wir dann noch mal zwei Tage so verbracht, dass der eine auf der Säuglingsstation sein musste und der andere auf der Wochenbettstation, bevor es dann hinterher funktioniert hat. Ja. Und am Ende waren wir fünf Tage im Krankenhaus und es war überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, weil man wirklich ja davon ausgeht, in dem Moment, wo die Geburt durch ist und alle auf der Welt sind, ist auch alles gut. Aber das muss halt zwingend so nicht sein. Es ist, ich möchte, ich habe die Geschichte auch deswegen erzählt, weil ich das gerne für alle mitgeben möchte an die Hand, dass man vielleicht nicht mit so hohen Erwartungen ins Krankenhaus geht, dass es so diese Bilderbuchgeschichte wird. Ich glaube, vor allem, wenn man Zwillinge bekommt, ist diese Bilderbuchgeschichte nicht die Normalität. Und wir waren ja jetzt auch in der Uniklinik und die Säuglingsstation ist bei Weitem nicht die Station, auf der die ganz krassen Fälle liegen, sondern es ist halt die Station, wo die Kinder sind, die halt so ein bisschen Startschwierigkeiten haben, aber auch da gab es Kinder, die wesentlich mehr Probleme hatten. Wir wussten halt zeitweise nicht, wie groß die Probleme sind, die wir haben, was es natürlich emotional dann anstrengender macht. Im Nachhinein waren es nur Startschwierigkeiten, Gott sei Dank. Aber ich habe halt gemerkt, dass ich eben genau mit diesem Denken bis zur Geburt und nicht weiter ins Krankenhaus gegangen bin und gedacht habe, danach sind wir alle, wie bei der ersten Geburt auch, auf einem Zimmer und es ist das schöne Familienankommen. Aber das ist so nicht. Und wenn es so ist, dann hat man sehr, sehr viel Glück, aber es gibt halt ganz viele Fälle, wo es halt nicht so ist. Es gibt so ein paar Learnings bzw. so Schlussbetrachtungen, die mir immer wieder durch den Kopf gehen. Ich irgendwie auf eine gewisse Art und Weise möchte ich mich bei dieser Ärztin entschuldigen, wo ich dann gesagt habe, das ist jetzt die nicht die richtige Entscheidung bzw. ich gesagt habe, können wir nicht noch mal drüber nachdenken, weil du bist da halt auch als Arzt oder Ärztin, hast eine Monsterverantwortung, wenn das schiefgeht, was du da entscheidest, dann machst du die ganze Familie unglücklich, im Zweifelsfall wird es noch schlimmer, vielleicht auch für das Krankenhaus. Und dann hast du da irgendwelche Eltern, die keinen medizinischen Hintergrund haben und irgendwas gefühlsmäßig argumentieren wollen. Das ist natürlich auch nicht so einfach. Im Nachhinein war es trotzdem die richtige Entscheidung und es war gut und richtig auf das Bauchgefühl zu hören. Also, ich kann da nicht sagen, was am Ende jetzt besser oder falscher gewesen ist, war richtig auf das Bauchgefühl zu hören. Gleichzeitig tut es mir irgendwie leid, dass ich da so ein Aufständiger war, der den medizinischen Ergebnissen jetzt nicht getraut hat. Das hätte auch alles schiefgehen können. Da bin ich sehr froh, dass es das nicht gegangen ist. Es hätte die falsche Entscheidung sein können. Und wirklich die allergrößte Botschaft an dieser Stelle, dass man nicht von diesem typischen Normal ausgeht, was man aus Büchern kennt und was man vorher immer so überlegt mit Familienzimmer und dass dann alle zusammen sind und so. Das ist super schön, wenn das funktioniert, aber es funktioniert halt nicht immer und ich glaube, man muss sich halt immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass man, wenn alle da sind und irgendwie nur so ein bisschen Startschwierigkeiten hat, dass man dann immer noch zu den glücklicheren Familien gehört, die da in dem Krankenhaus sind.
Daniel: Bin ich völlig bei dir. Also nur mal ganz, ganz kurz noch mal zu dem, zu der Thematik mit der Ärztin. Ich glaube, wenn man respektvoll seinen, seine Sorgen äußert, sage ich mal dabei, ist das nie falsch.
Rouven: Nein, definitiv nicht. Und das ist ja auch okay, wenn man nachfragt, warum jetzt was wie gemacht werden muss. Ist ja absolut okay. Und gleichzeitig, ich glaube, das ist auch nicht so einfach ist als Arzt oder Ärztin in dem Moment medizinische Entscheidungen durchzudrücken, obwohl man sieht, wie gerne jetzt eine Familie auch einfach zusammen wäre. Es sind natürlich dann, also da ist ja auf der einen Seite ist der medizinische Aspekt, auf der anderen Seite der menschliche Aspekt. Und wenn man auf der menschlichen Basis auch so eine Familie dann nach so einer Geburt auseinanderreißen muss, das gefällt denen ja auch nicht. Und wenn du dann noch Leute hast, die diskutieren, ich hoffe, dass ich es auf eine sehr respektvolle Art und Weise gemacht habe. Trotzdem ist man natürlich auch im Modus in dem Moment. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich zum ersten Mal nach dann vier Stunden war die Geburt her, dass ich zum ersten Mal mein Kind so richtig schon beschützen musste, vor dann einer medizinischen Entscheidung, was total doof ist, weil ich überhaupt gar nicht gegen Antibiotikum bin, aber wie gesagt, wenn es nicht sein muss, dann sollte es auch nicht sein.
Daniel: Das mit dem Beschützen, ja. Das, das Gefühl, das hat man glaube ich bei den Kleinen dann umso mehr. Ich hatte das bei unserer Großen im Krankenhaus, da haben die nur für diesen Bluttest, die dreimal oder viermal pieken müssen in die Ferse.
Rouven: Ja.
Daniel: Und da habe ich irgendwann gedacht, so junge Dame, gleich ist Ende hier, weil das sein muss, ist klar, aber jetzt noch mal muss nicht sein. Sehen wir von wem anders das Blut. Aber das ist ganz normal, glaube ich. Aber vielen Dank, Daniel, für den auch sehr emotionalen Bericht. Ich fand es, ich finde es in dem Detail zu hören und zu wissen, auch für andere ist sehr schön und wertvoll, aus meiner Sicht, weil man einfach damit das Bild kriegt, es ist nicht immer alles überall Gold. Viele berichten auch immer nur vom Positiven und halten mit negativen Erfahrungen hinterm Berg.
Rouven: Ja.
Daniel: So dass man so ein falsches, so ein falsches Bild manchmal von Situationen bekommt und wenn wir damit nur einer Familie helfen, dass sie ein bisschen anders mit einem anderen Mindset reingehen, ist es glaube ich schon sehr wertvoll.
Rouven: Das hoffe ich sehr. Das hoffe ich sehr. Also, ich hoffe, ihr könnt was mitnehmen und wir hören uns in zwei Wochen wieder. Danke Rouven fürs Zuhören.
Daniel: Ja. Und danke Zuhörens fürs Zuhören und noch einen schönen Tag.
*** Erstellt mit Gemini AI ***