TRANSKRIPT
Daniel: Herzlich willkommen zur neuen Folge Alle Guten Dinge. Rouven und Daniel hier. Heute in etwas mitgenommener Form.
Rouven: Besonders Rouven, ja.
Daniel: Ja, bei mir, bei mir war es etwas, eine etwas härtere Woche gerade gewesen. Die Große ist leider krank mit ordentlich Fieber. Und dann mit meiner Frau, meine Frau ist jetzt zu Hause, ich muss noch mal arbeiten, zum Glück mit Homeoffice dabei, aber das sind dann schon sehr lange Tage, die dann morgens so um 7:30 Uhr anfangen und dann…
Rouven: Ja, bis jetzt sitzen wir hier. Jetzt ist es 12 Uhr vor neun.
Daniel: Jetzt ist 12 Uhr vor neun und dann hat man noch nicht viel sonst geschafft, sage ich mal so.
Rouven: Ich habe tatsächlich gerade hier mein Nutellabrot noch gegessen, weil das Abendessen auch etwas schwierig war. Ich habe es nicht geschafft, aber na ja, jetzt sitzen wir hier und nehmen eine neue Folge auf und hoffentlich eine gute Folge. Ich habe mir was ausgedacht für heute und ich glaube, es ist auch ganz gut, dass ich mir was ausgedacht habe, weil du kannst gerne reagieren, aber ich weiß nicht, wie viel von deiner Seite heute Abend so kommt.
Daniel: Ich, ich bin da, ich bin da sehr dankbar für, dass heute vielleicht der Redeanteil bei dir etwas höher ist.
Rouven: Und zwar Folgendes: Ich würde gerne mal darüber sprechen, was können Kinder eigentlich besser als Erwachsene? Beziehungsweise damit verbunden natürlich auch die Frage, was können wir daraus lernen, dass Kinder halt so sind, wie sie sind?
Das war ein Gedanke, den ich hatte, weil ich ein paar Mal irgendwie bei meinem großen Sohn beobachtet habe, dass er, dass er auf eine, auf seine ganz eigene Art und Weise Dinge geregelt hat und wo ich gedacht habe, wow, das ist wahnsinnig, wahnsinnig klug, wie du das machst. Das würde ich eigentlich gerne auch so machen. Man muss einschränkend vielleicht dazu sagen, dass mein Kind zwei Jahre alt ist. Ich weiß nicht, wenn der, wenn er mal vier ist oder sechs, ob ich die Dinge alle noch genauso sehe. Oder ob sich das bis dahin alles verändert hat, aber das nur Stand der Dinge, zwei Jahre altes Kind und ich habe so ein paar Dinge beobachtet.
Starten wir vielleicht mal mit dem Offensichtlichsten: Thema Essen. Also, ich meine jetzt gar nicht so Benutzung von Besteck und so weiter, aber mir ist aufgefallen, der hat den ganzen Teller voll Nudeln und der schaufelt sich die Nudeln rein und dann liegen noch zwei Nudeln drauf und er sagt: "Ich bin satt, ich kann nicht mehr." Weil sein Körper ihm sagt: "Ich bin satt, ich kann nicht mehr." Ich glaube, du und ich, wir würden beide diese Nudeln noch aufessen, über unser Gefühl drüber weg, wir sind eigentlich satt, wir können nicht mehr. Und ein Kind, in zumindest in dem Fall, sagt: "Ich bin satt, ich kann nicht mehr." Ist egal, wie viel da noch auf dem Teller liegt, ich höre auf meinen Körper. Finde ich wahnsinnig beeindruckend.
Daniel: Finde ich, finde ich auch. Ich, man, ich glaube, man isst so mit dem "Iss deinen Teller leer, woanders hungern Kinder". Ist man ja da, also das hat man ja damals so irgendwie öfter mal gehört oder es gehörte zum guten Ton. Ich hatte lustigerweise, wo du es gerade erzählt hast, einen Arbeitskollegen, den gibt’s aber noch, den Arbeitskollegen…
Rouven: Der lässt auch immer zwei Nudeln liegen.
Daniel: Nee, der sagt auch, nee, ja, ja so ähnlich, aber dann gibt’s irgendwie in der Kantine, gab es dann irgendwie Nudeln mit so einem großen Stück Fleisch bei und irgendwas. Und der hat auch gesagt, danach der Hälfte: "Nee, reicht jetzt." Also, ich bin satt. Und man denkt dann so, ja gut, aber dann du hast ja noch, du hast ja dafür bezahlt, du hast das ja, also…
Rouven: Ja, das ist auch ein sehr deutscher Aspekt, ne? Du hast dafür bezahlt.
Daniel: Der schwäbische Aspekt dann noch mehr irgendwie. Obwohl wir nicht im Schwabenland sind. Aber eigentlich ist ja richtig. Wenn man sagt, man braucht nicht mehr, man will nicht mehr. Klar, kann man jetzt sagen, man isst später was weniger, aber…
Rouven: Ja, aber wie häufig geht mir das auch einfach so, dass es so richtig, richtig gut schmeckt und ich weiß, ich bin eigentlich schon satt, merke aber, wenn ich wirklich will, dann geht da noch was rein, aber gut ist das doch nicht.
Daniel: Jetzt muss man unterscheiden, ob man irgendwie den Teller leer isst, wenn es okay ist, oder ob es richtig, richtig lecker ist und man sich denkt so, hm. Obwohl ehrlicherweise, du hast schon recht, meistens ist danach kommt dann das böse Erwachen, dass man sagt:
Rouven: Das war zu viel.
Daniel: Ja, also man, man macht es ja so ein bisschen kaputt dann auch im Nachhinein damit, weil dann ja, man hat dann das Völlegefühl, anstatt das schöne Gefühl zu sagen: "Ach, ich bin jetzt, habe schön gegessen, war lecker" und sowas, deswegen.
Rouven: Ja, genau. Für das schnelle Glück riskiert man den ganzen Abend. Das ist, das wird ein Kind niemals machen. Okay, auf jeden Fall war das meine erste Beobachtung. Dann die nächste Beobachtung, so dieses Bauchgefühl, wem komme ich eigentlich wie nah? Das finde ich auch total beeindruckend. Also, ein Kind hat halt noch viel mehr in sich drin, da ist eine fremde Person, der will ich nicht zu nah kommen, ich wehre mich dagegen. Und das finde ich auch total beeindruckend, ne? Also es ist, da merkt man auch sofort, die Person mag das Kind und die mag das Kind vielleicht jetzt nicht. Wenn ich auf eine WG-Party komme, dann sage ich allen hallo und wenn da der Deal ist, dass man sich kurz drückt, dann drückt man irgendwie auch jeden, obwohl man jetzt gerade vielleicht nicht unbedingt denkt, dich muss ich jetzt hier unbedingt drücken, aber man macht es halt auch wieder wegen dieser gesellschaftlichen Konvention und ein Kind zeigt halt einfach, habe ich keinen Bock drauf. Und bei anderen aber wohl. Und wenn die Person, wo ich Bock drauf habe und die, wo ich keinen Bock drauf habe, wenn die nebeneinander stehen, dann soll halt die eine merken, dass ich da keinen Bock drauf habe.
Daniel: Bin ich, verstehe ich, verstehe ich. Also, man war ja selber öfter mal in der Situation, dass man sich gedacht hat, nee, das muss jetzt irgendwie nicht sein. Und man, man macht es dann aus Höflichkeit. Andererseits gibt’s ja so ein paar, ich weiß nicht, ob es das bei dir im Freundeskreis sonst auch so gibt. Bei mir, ich muss an eine Schulfreundin denken, die hatte da, also die hat das dann einmal durchgezogen auch. Der hat man das auch nicht bös genommen. Und eigentlich hat man sich immer gedacht, ach eigentlich müsste man das ja auch mal machen, dass man, also nicht bösartig sagt, ja dir sage ich jetzt nicht hallo, aber man sagt, pass auf, also, man muss es ja auch nicht irgendwie groß erklären, aber es gibt Leute, die behalten das bei, wollte ich sagen, und den nimmt man das auch nicht übel.
Rouven: Nee, das stimmt. Finde ich auch, finde ich auch total beeindruckend, aber mache ich nicht. Das also, ich ja, vielleicht, vielleicht sollten wir damit anfangen. Vielleicht sollten wir das auch starten. Ich find's auf jeden Fall beeindruckend, das so durchzuziehen. Na ja. Ich weiß auch nicht, ob ich nicht im Gegenzug einer Person das übel nehmen würde, wenn sie alle anderen irgendwie drückt zur Begrüßung und mich nicht.
Daniel: Ich glaube schon. Du würdest… Also, ich, es hängt halt davon ab, ne? Ich sag mal so, wenn du jetzt in eine, in eine Gruppe von Leuten reinkommst und die kennen sich alle und du bist neu in der Gruppe, dann ist das so ein bisschen komisch. Wenn du natürlich, wenn das dein Freundeskreis ist von sechs Leuten und alle, alle werden umarmt, außer du. Ja, ja. Aber das ist halt die Frage, in welcher Konstellation, wie weit ist man voneinander weg.
Rouven: Ja, ja, stimmt. Aber so oder so finde ich beeindruckend, dass Kinder das einfach machen und irgendwie wünschte ich mir, man könnte da mehr Kind sein. Vielleicht kann man es und traut sich nicht, weiß es nicht. Damit zusammenhängt halt auch so der Punkt, dieses Leben und Leben lassen. Ich glaube, das ist auch was, was Kinder extrem gut können, zumindest jetzt, wie gesagt, Kind zwei Jahre alt. Die sind halt so krass im Moment und mit sich selbst beschäftigt, dass sie, dass ihnen häufig ganz egal ist, was andere Leute machen oder andere Kinder machen oder so, ne? Die sind halt zu zweit da, lesen ein Buch und plötzlich steht da einer auf und geht und das andere Kind denkt nicht, warum bist du jetzt aufgestanden und gegangen, du hast nicht mal tschüss gesagt, sondern denkt halt, ja, ist jetzt halt weg, lese ich allein weiter. Und das finde ich halt, finde ich halt total beeindruckend, weil ich glaube, dass wir Erwachsenen viel zu häufig in Situationen irgendwas reininterpretieren, versuchen andere Leute zu lesen, das irgendwie für unhöflich nehmen und so weiter und die ganze Zeit über alle anderen Leute nachdenken, aber nicht über uns. Und Kinder machen das halt so nicht, ne? Die nehmen halt andere halt auch einfach so an, wie sie sind. Und wenn sie gerade was machen, dann machen sie das halt, aber das hat ja nicht zwingend was mit mir zu tun, sondern die machen das, weil sie es gerade wollen. Und das können Kinder, glaube ich, viel besser annehmen, als wir das können.
Daniel: Ich glaube, das ist wirklich, also in dem Alter so zwei bis drei, ich glaube, da ist das auch noch mehr so, weil ich glaube, die, die sind dann auch sehr mit sich selbst beschäftigt im Endeffekt, ne? Die spielen ja meistens auch noch nicht so miteinander. Geht dann los, ne, mit zwei. Ja. Ähm, ja, aber ich glaube, wie du es gesagt hast, es, die, man, man versucht dann zu interpretieren, was macht der andere? Warum macht er das? Oft ist es ja dann irgendwie die, aus der Erfahrung basierend, dass das Hirn sich irgendwas zusammenbaut an der Stelle, ne? Und sagt, okay, der macht das jetzt, weil irgendwas, man hat irgendeine schlechte Erfahrung oder eine gute Erfahrung gemacht. Und darauf basierend versucht man das wieder zu reproduzieren, was da gerade passiert. Obwohl es auch einfach falsch sein kann.
Rouven: Na klar. Ja. Es ist, vielleicht springe ich auf den Punkt auch nur so an. Das kann ich kurz aus meiner, meiner persönlichen Erfahrung erzählen. Ich habe früher ähm als sehr viel getanzt und habe halt auch so Showtanz gemacht vor Leuten, dann ähm bei Abschlussbällen getanzt und so, Turniere und so weiter. Und ich habe mit meinem Trainer sehr häufig daran gearbeitet, wie wir quasi das Publikum auch wahrnehmen, ne? Du stehst da halt mitten auf so einer Fläche und da sind halt 100, 200 Leute drumherum, die gucken dich alle an, du guckst die ganze Zeit in Gesichter, aber es ist ja jetzt nicht so, dass jeder dann irgendwie freundlich ist und einen so supportet, sondern da gibt’s halt Leute, die ziehen halt ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter und schauen dich dann halt dabei an. Und natürlich nimmst du diese Energie wahr, aber das Problem ist, in dem Moment beziehst du das ja auf dich und du denkst, oh, ich mache das hier nicht gut genug, um dich halt irgendwie äh gut fühlen zu lassen. Aber in dieser Person geht vielleicht was ganz anderes vor, ne? Die Person sitzt da vielleicht, hat sich äh drei Tage vorher von dem Partner getrennt, dann ist morgens die Waschmaschine kaputt gegangen, der ganze Tag war irgendwie total mies, das Eis hat nicht geschmeckt und abends sitzt man auf dem Ball, auf den man keinen Bock hatte, weil man überredet worden ist oder so. Und das hat überhaupt gar nichts mit mir zu tun in dem Moment, aber ich bin tatsächlich so eine Person, die das sehr gerne annimmt und dann irgendwie darüber nachdenkt, warum, warum bist du so? Warum, warum bist du nicht freundlich? Ich bin doch eigentlich auch freundlich dir gegenüber eingestellt. Aber das sind zwei völlig unterschiedliche Arten miteinander zu kommunizieren. Und deswegen finde ich es, glaube ich, so beeindruckend, dass Kinder einfach andere so sein lassen, wie sie sind und das nicht auf sich selbst beziehen. Und das finde ich toll.
Punkt.
Daniel: Punkt. Ausrufezeichen.
Rouven: Punkt, aus… Ich meine, was sollst du dazu auch sagen, aber das, das nur mal als Botschaft hier. Ich glaube, dass wir da von den Kindern lernen können. Vor allen Dingen, wenn es euch so geht wie mir.
Daniel: Ja, auch, also ich, ich, ich gehe da bei dir mit. Es ist manchmal so, wenn man irgendwas vorbereitet und man ist eigentlich sehr zufrieden damit. Ne? Also, weiß ich jetzt auf der Arbeit oder in einem anderen, egal was. Und dann kommt einer und sagt, das ist irgendwie schlecht. Eigentlich, wenn man selber zufrieden war damit, dann kann das ja einem anderen nicht gefallen oder irgendwas, also der kann ja Kritik äußern oder alles, aber eigentlich, wenn man nicht vorher zufrieden war, warum soll ich danach nicht mehr zufrieden sein?
Rouven: Genau, ja, das ist der Punkt. Man muss halt nicht allen gefallen, ne? Also, man muss halt selbst happy sein und wenn man selbst Bock hat, auf der Straße zu tanzen und alle schauen einen blöd an, dann kann einem das eigentlich vollkommen egal sein, solange man selbst damit happy ist, ne? Also, solange man die Freiheit der anderen jetzt nicht einschränkt und Grundgesetz, aber…
Daniel: Jetzt andererseits natürlich, man lebt ja oder man, man entwickelt sich ja auch am Feedback von Leuten. Also, es gibt auch Leute, die, die komplett losgelöst sind von jedwedem Feedback auf der Welt und jedwedem, also jedweder internen Korrekturschleife auch. Und das merkt man denen auch an. Da habe ich auch schon Leute im, auf der Arbeit oder sonst kennengelernt, den konntest du, mit denen konntest du, also versuchen zu sprechen oder irgendwas, die haben nichts angenommen auf der Welt. Die hatten immer recht. Also, das ist dann das andere Extrem. Also, man muss da die Waage halten. Man muss auch wissen, von wem man das dann auch annimmt.
Rouven: Im Herzen Kind geblieben. Auf die schlechte Art und Weise.
Daniel: Ja, wirklich. Also, da ist irgendwas nicht vernetzt worden bei den Leuten, weil so ein, so eine gewisse Feedbackschleife muss ja da sein und ja, man muss jetzt nicht, vielleicht muss man sich auch überlegen, von wem man das annimmt, ne, wenn man bei deinem Beispiel bleibt. Wenn dich jetzt einer komisch anguckt von 100 Leuten, die euch zugucken beim Tanzen, dass die zwei dann vielleicht nicht gerade, mit denen du nichts zu tun hast, äh, die das, das schlecht bewerten, was du da tust. Aber äh, sag ich mal, wenn, wenn man im direkten Austausch ist miteinander und das komplett ignoriert, ist das auch ein bisschen befremdlich, sage ich mal.
Rouven: Wobei bei deinem Punkt das natürlich so ist, wenn du über den Job sprichst, dass es da rein um fachliches Feedback geht, ne? Also, ist halt die inhaltliche Ebene und dann halt auch noch auf eine berufliche Situation bezogen. Das ist ja was anderes. Bei mir geht’s ja eher um das Nonverbale, ne? Dass man halt irgendwelche Blicke, ein Gesichtsausdruck und so weiter, dass dann man da was reininterpretiert, was am Ende vielleicht gar nicht so gemeint ist, was einen aber trotzdem beeinflusst, ne? Wenn ich ein direktes Feedback von jemandem ignoriere, der sagt, du hast 2 x 2 nicht richtig ausgerechnet, dann ist es natürlich eine ganz andere Situation, als wenn ich denke, oh, der guckt komisch, ist das nicht richtig, dass da fünf steht?
Daniel: Ich sag aber, das ist, das sind die beiden Extreme, das sind die ganz Außenseiten von dem Spektrum. Der eine, der guckt sich schon, wenn der eine krumm guckt, da sagt er schon, oh oh oh, und der andere sagt, egal, was mir der andere erzählt. Er kann mir jetzt genau erklären, warum es so ist, der kann mir tausend Fakten hinlegen, aber es ist mir völlig egal, ich habe recht.
Rouven: Genau. Wir kommen zum nächsten Punkt. Und also den fand ich irgendwie ein bisschen spannend. Ich habe so ein bisschen in den letzten Monaten darauf geachtet, wie sich die Sprache entwickelt hat bei unserem Kleinen. Also zwei Jahre, er spricht jetzt halt schon viele Worte, alle noch so ein bisschen, so ein bisschen durcheinander, aber er versucht halt irgendwie so ein bisschen Sinnhaftigkeit in die Sätze reinzubekommen und so. Total beeindruckend. Was mir z.B. aufgefallen ist, ich meine, das ist jetzt natürlich auch wahrscheinlich speziell, weil ich durch Journalismus und Medien und so weiter halt irgendwie so ein bisschen auch auf Sprache achte, ist die Art und Weise, wie er Sätze aufnimmt, die ich ihm sage. Ähm, z.B. wenn ich zu ihm sage: "Du siehst heute aber schön aus." Dann wiederholt er den Satz, aber Kinder wiederholen ja am Anfang nicht komplett, sondern er sagt dann: "Schön aus." Also, er sagt die letzten beiden Worte. Und das ist was, worüber wir gerade dann auch beruflich mit der Moderation und so schon häufig gesprochen haben, dass es einen Unterschied macht, wie ich Worte wo im Satz platziere. Und manchmal muss es nicht grammatikalisch perfekt sein, sondern wenn ich das, wenn ich, wenn ich möchte, dass hängen bleibt, dass man schön aussieht, dann packe ich das "schön aus" nach hinten. Wie jetzt in dem Fall, "Du siehst heute aber schön aus", dann packe ich das "schön aus" nach hinten, wenn das der eigentliche, die eigentliche Botschaft sein soll.
Wenn es jetzt andersrum ist und ich drehe den Satz um und da sagt man, äh, "Schön siehst du heute aus."
Daniel: Schön aus siehst heute. Ach so.
Rouven: Na ja, gut, äh, man kann auch sagen: "Schön siehst du heute aus."
Daniel: Okay.
Rouven: Und ähm, da sagt das Kind dann: "Heute aus." Also, irgendwie, finde ich, finde ich total spannend, ähm, wie, wie das in dem Moment halt ankommt. Ich glaube, also, natürlich kann man halt auch, wenn man es dann richtig betont, "Schön siehst du heute aus", dann ist das Schöne schon auch irgendwie noch im Fokus. Aber die Art und Weise, wie die Kinder diese Sätze nachplappern, zeigt halt auch, wie wir am Ende auch im Erwachsensein noch funktionieren und wie wir auch immer noch Sprache verarbeiten. Auch wenn uns das nicht mehr so bewusst ist, weil wir die Sätze natürlich komplett irgendwie auch begreifen können, ist halt schon auch noch der Fokus immer am Ende, weil das das Letzte ist, was uns dann erreicht und da ist halt einfach dann noch mehr Fokus, das ist halt präsenter. Das ist halt wie diese typische Geschichte, willst du am Anfang oder am Ende deine, deine Lehrprobe machen, wenn du verglichen wirst mit anderen, wo macht das halt am meisten Sinn? Wenn du nicht total gut bist, dann machst du es besser am Ende, weil da bist du halt dann einfach noch präsenter. Wenn, wenn du irgendwo zweiter, dritter, vierter bist, dann gehst du halt in der Masse unter, aber wenn du am Ende bist, dann bleibst du halt irgendwie noch hängen.
Und äh dann gibt’s noch so ein paar andere Aspekte, finde ich auch total spannend. Was Kinder ja nicht können, ist das dieses "morgen" oder "übermorgen". Das funktioniert einfach nicht. Wenn ich sage, morgen kommen Oma und Opa, dann werde ich eine halbe Stunde gefragt, wann Oma und Opa denn jetzt da sind. Weil "morgen" funktioniert halt nicht. Da ist halt dann plötzlich Oma und Opa kommen im Kopf, aber das "morgen", da ist kein Gefühl drin.
Daniel: Was dann, was dann so ein bisschen funktioniert, ist äh noch schlafen, also, wenn dann kein Mittagsschlaf ist, oder noch der Abendschlaf kommt, dass man sagt, noch einmal schlafen, das geht manchmal, weil das so ein fester Bestandteil, integraler Bestandteil des Tages ist.
Rouven: Ja, ja, klar, ja, ja.
Daniel: Das funktioniert. Aber dieses Konzept von morgen und vor allem dann übermorgen und so, das ist, ich glaube, da sind wir wieder an dem Punkt vom Anfang, die leben halt im Moment, die Kinder, und für die ist ja so ein Tag, ich habe das jetzt auch immer mehr gemerkt, desto, und es wird immer schlimmer erschreckenderweise, desto mehr Kinder man dann hat, Zeiträume werden viel kürzer. Also, gefühlt ist das jetzt, ich habe mal letztens was nachgeguckt, wo hier irgendwie dann am Haus was gemacht wurde, das ist schon ein Jahr wieder her. Und ich hätte jetzt gesagt, das ist irgendwie drei Monate her, wenn ich jetzt mich einer direkt gefragt hätte. Und für die Kinder ist es genau umgekehrt, glaube ich noch. Für die ist halt ein Tag so lang wie für uns vier Wochen, wenn viel passiert. Und dadurch ist das für die halt auch so, wenn du sagst, morgen ist halt lange, lange hin für die.
Rouven: Ja, ja, bzw. gar nicht greifbar, ne? Also, es ist halt, es ist halt irgendwann, keine Ahnung. Und wenn ich sage, Oma und Opa kommen, dann freue ich mich da drauf und das soll natürlich am besten jetzt passieren. Äh, genauso übrigens Verbote, finde ich auch total spannend. Auch das ist was, was man im Bereich Kommunikation relativ schnell lernt, dass "nicht" nicht funktioniert. Also, "nicht" kann der Kopf nicht wahrnehmen und äh bzw. das Herz und die Gefühle können es nicht wahrnehmen. Wenn ich sage, denk nicht daran, wie du in die Pfütze springst, dann denkst du daran, wie du in die Pfütze springst. Also "nicht" funktioniert halt einfach nicht. Diese Verneinung, das können wir als Menschen halt nicht aufnehmen. Ähm, also nur mit ganz großem Aufwand. Und das ist halt was, was dann relativ spät dazu kommt und wenn ich dem Kind sage, spring nicht in die Pfütze, dann denkt es, oh, springen und Pfütze, cool. Also, es macht halt mehr Sinn, anstatt Verbote auszusprechen, dann mit was anderem zu kommen, so, geh mal hier lang, da kannst du durch den Sand gehen oder so. Ist auch spannend. Da habe ich halt eine andere Vorstellung davon, was ich tun kann und ein anderes Bild im Kopf und werde nicht noch animiert, in diese Pfütze reinzuspringen. Ich mache den Fehler auch immer, das ist mir jetzt halt irgendwie auch noch mal aufgefallen, dass ich halt immer sage, nein, hier, pass auf, nicht über die Straße gehen. Und am Ende funktioniert es wahnsinnig schlecht, weil die Kinder das "nicht" halt einfach nicht wahrnehmen können und nicht aufnehmen können. Und manchmal auch nicht wollen, das kommt halt auch noch dazu.
Daniel: Das ist dann aber das geht ja in dem Alter fast, glaube ich, noch. Ich mit der Straße z.B. ist halt super, oder was wir immer machen, ist, wir schauen zusammen, dann hast du, hast du eine Aufgabe für das Kind in dem Moment auch und für dich selber auch. Wir schauen, kommt ein Auto? Kommt ein Auto links, kommt ein Auto rechts? Und wir tun etwas, anstatt über die Straße zu laufen.
Rouven: Genau, dann hast du halt auch eben diese Routine, bevor ich über die Straße gehe, ist doch noch was, was ich sonst auch immer mache, links, rechts und so weiter und dann sehe ich hoffentlich, dass ein Auto kommt. Ich weiß nicht nur, ich soll nicht gehen, sondern ich weiß auch, ich soll halt erstmal was anderes machen. Also, das macht halt dementsprechend auch Sinn.
Daniel: Ja. Und die Große macht das jetzt auch wirklich, wenn wir morgens zur Kita gehen, wenn es manchmal, manchmal klappt das mit, mit zu Fuß, manchmal auf der Schulter. Und dann beim dritten, nee, beim zweiten Mal über die Straße gehen, sagt sie eigentlich fast immer sicher dahinter, ich passe jetzt auf, dass dir nichts passiert mit den Autos. Also manchmal vielleicht nicht in dieser Satzform und sowas, ne, aber auch schon relativ, dass sie, das hat sie sich für sich als Aufgabe als Aufgabe auserkoren, dass sie dann aufpassen muss, dass das so ist und auch alles richtig abläuft. Also sie hat das richtig verinnerlicht dann. Das klappt aber echt gut. Es macht einem ja selber auch mehr Spaß, wenn man irgendwie sagt, lass das bleiben oder jemandem gibt einem eine Alternativaufgabe oder was Schönes stattdessen. Der Reiz des Verbotenen ist dann das, was später noch dazu kommt, das kennt man ja auch noch. Aber…
Rouven: Ja, wie gesagt, zwei Jahre, also wahrscheinlich können wir in einem Jahr wieder sprechen und alle Aspekte haben sich verändert, aber im besten Fall haben wir ja bis dahin daraus gelernt.
Daniel: Dann funktioniert "nicht" auch schon ein wenig. Also mit knapp drei jetzt bei uns ist ja nicht mehr lang. Ähm, ich glaube, es wird verstanden, ob es dann gewollt wird oder ob es auch die Hälfte dann natürlich eher dann in die Richtung geht, weil es ja verlockend ist oder im Hirn ja dann einmal drin ist, will ich nicht bezweifeln, dass das auch noch ein Problem an der Stelle ist oder nicht so gut funktioniert.
Rouven: Dann habe ich noch einen letzten Aspekt, das ist so dieses Thema Lernen, Frustrationstoleranz, Wiederholung. Ich meine, Frustration ist halt schon auch noch da, aber ich finde es auch beeindruckend, wie häufig Kinder einfach Dinge wiederholen, die nicht funktionieren. Also, das, das geht ja ganz am Anfang los, wenn es halt ums Krabbeln oder ums Gehen geht, wie häufig fallen die Kinder erstmal hin oder können nicht aufstehen, machen es aber trotzdem immer, immer wieder, bis es irgendwann funktioniert und es geht ja dann auch immer irgendwann. Und bei uns Erwachsenen ist ja häufig so, dass man es irgendwie zweimal macht und dann denkt man, nee, kann ich nicht, keinen Bock mehr. Aber wie häufig Kinder das immer wieder angehen und selbst wenn mal eine Woche dazwischen liegt, es wurmt die halt, wenn sie das Dreieck nicht in die passende Form bekommen. Sie machen es halt dann wieder bei dem, bei dem Spiel irgendwann. Sind dann ein bisschen älter, haben ein paar Mal drüber geschlafen und dann irgendwann geht es. Und ich glaube, dass wir als Erwachsene uns davon echt viel abschauen können bei den Dingen, die wir nicht hinbekommen. Ist einfach häufiger zu probieren und mehr und intensiver.
Daniel: Und sich auch gar nicht so darüber zu ärgern.
Rouven: Ja, ja, genau.
Daniel: Das ist ja oft, oft auch einfach, sie sehen ja, dass es geht, ne? Also, was, was es natürlich auch, was heißt einfacher macht, aber für die Kinder, die wissen ja, dass es funktioniert. Sie sehen ja meistens irgendwie, kriegen sie es gezeigt und wissen, es ist ja möglich irgendwie. Und dann sind sie halt angefixt und sagen, jetzt ich will das aber auch können. Und dann geht’s halt los. Wir haben das jetzt bei, bei der, bei der, bei der Letztgeborenen, da sind ja nur sieben Minuten zwischen, aber die hat sich jetzt das angeschaut, dass man nach einer Woche krabbeln, eigentlich ja stehen und gehen könnte. Und die stellt sich jetzt dahin und steht am Tisch und macht Gehbewegungen. Und ist so, okay, und das kommt wahrscheinlich auch eher von der großen Schwester, dass sie sich denkt, so, da kann ich ja hinterher, das ist ja irgendwie spannend. Und die hat richtig, richtig gekämpft, aber auf einmal, zack, steht sie da. Und so, oh oh, Gefahr. Und die andere.
Rouven: Vor allen Dingen, also in dem Alter ist es ja noch wie bei Hunden. Hunde wissen ja nicht, dass man selbst halt der Schäferhund ist und der andere ist der, ist der Dackel. Also, die wissen ja nicht, ich bin wesentlich größer als du. Die wissen nur, du bist auch ein Hund. Und ich glaube, das ist bei Kindern auch so, dass jetzt eure Letztgeborene denkt, oh, da ist auch ein Kind, die kann gehen, also will ich das auch können. Und die denkt halt nicht, na ja, die ist ja auch zwei Jahre älter, das muss ich jetzt noch nicht machen. Das denkt die ja nicht. Denkt halt nur, das geht und das ist auch ein Kind, ich will das jetzt auch.
Daniel: Ist eigentlich schön.
Rouven: Eigentlich schön, ne? Ja, also das die Dinge, bei denen ich glaube, dass wir Erwachsene echt noch ein bisschen was lernen können von den Kindern. Vor allem so dieses im Moment sein, zufrieden sein mit dem Leben und dieses nicht darüber nachdenken, was sonst sein könnte und man könnte ja auch Millionär sein und so, sondern…
Daniel: Ja, und nicht schon wieder mit den 300 Sachen beschäftigt sein im Kopf, die auch schon irgendwie wieder irgendwie vor einem sind, aber man kann ja auch nichts dran ändern an den Sachen, ne? Also, das bringt ja nichts. Man kann sich jetzt zwei Minuten Gedanken machen zu den Themen und sagen, okay, Haken dran. Aber dann dieses dieses zermürbende drüber nachdenken permanent, das ist glaube ich so der, der Fehler. Nicht kurzes Planen, sondern langes Planen.
Rouven: Das ist tatsächlich auch was, wo ich schon ein paar Mal drüber nachgedacht habe. Meinst du, wir Erwachsenen wären wieder so wie die Kinder, wenn wir jemanden in unserem Leben hätten, der uns all die Dinge einfach abnimmt? Es ist, also das Ding ist halt, Kinder lernen wahnsinnig schnell, Punkt und lernen schneller als wir, ja. Aber wenn man uns jetzt nach, keine Ahnung, sagen wir Schweden stecken würde und es gibt da Personen, die sich rund um die Uhr um uns kümmern, die rund um die Uhr uns irgendwie ansprechen, mit uns irgendwelche Dinge machen, uns Dinge zeigen. Meinst du nicht, dass man auch in einem Jahr, zwei, sehr passabel Schwedisch sprechen würde?
Daniel: Ach so rum.
Rouven: So dieses, man sagt ja immer, Kinder nehmen ja wahnsinnig schnell so Sprachen auf und so, einfach weil sie ja, aber eben vom vom Punkt, die haben halt auch nicht diesen Mental Load nebenher. Die haben keinen Job, um den man sich kümmern müssen, um den sie sich kümmern müssen, keine Steuererklärung, die haben jetzt nicht die Angst, dass übermorgen, keine Ahnung, wieder die Sonderzahlung kommt, die haben keinen Job, die haben keinen Wecker, der morgens klingelt und so. Es wird rund um die Uhr alles bereitet und im Prinzip ist ja deren Job erstmal nur im Leben anzukommen und alles aufzunehmen, was da so ankommt. Und das ist natürlich auch wahnsinnig befreiend. Die haben auch keine Sorgen oder so, oder haben auch keine Angst, dass keine Ahnung, die eigenen Eltern alt werden oder was weiß ich.
Daniel: Also, ich glaube schon, also wenn man, ich glaube, machen wir mal die Unterscheidung. Das eine ist, wenn man jemandem die Kapazität freigibt, das ist ja wie, sag ich mal, wie so ein Bildungsurlaub und sagt, derjenige oder eine Sprachreise, du musst dich um nichts kümmern, Hotel, Essen, alles ist gebucht und du gehst irgendwie durch die Stadt und lernst Sprache. Ich glaube, das hilft unfassbar, um, um, um Sprachen zu lernen. Das andere wäre ja noch, dass man sich wirklich um gar nichts mehr kümmern müsste, langfristig. Jetzt ist die Frage natürlich, wie entkoppelt man das von der Lebenssituation, wo man gerade ist? Dass man nicht wieder zurück muss oder auch sich auch keine Sorgen macht. Also ist ja nicht so, dass man dann einfach alles loslassen will, weil hat man ja z.B. auch mehr Kinder und Frau und alles.
Rouven: Rein hypothetisch, ja.
Daniel: Und ähm, genau, rein hypothetisch. Und dann glaube ich schon, dass man da einfach mehr Kapazität hat, weil dann wird man sagen, okay, das ist alles geklärt. Das ist ja so ähnlich wie, doof gesagt, fließend Wasser jetzt bei uns.
Rouven: Ja.
Daniel: Du machst dir ja auch keine Gedanken ums fließende Wasser.
Rouven: Nee, das stimmt, ja.
Daniel: So, das heißt, das Thema, du denkst jetzt nicht dran, ich müsste jetzt mit dem Eimer zum Brunnen laufen nachher. Und das ist sowas Ähnliches höchstwahrscheinlich, nur etwas bequemer vielleicht.
Rouven: Wir werden das nie rausfinden, weil sobald man erwachsen ist, hat man ja dieses ganze Umfeld, um das man sich plötzlich auch Gedanken macht. Auch wenn, egal wie man sein Leben aufbaut, irgendwie hat man ja immer irgendwas, worüber man nachdenken kann. Okay, ich glaube, das war's für heute. Rouven, danke dir und wir hören uns dann in zwei Wochen wieder.
Daniel: So machen wir das. Ciao, vielen Dank fürs Zuhören.
*** Erstellt mit Gemini AI ***