TRANSKRIPT
Daniel: Herzlich willkommen zur neuen Folge "Alle Guten Dinge".
Rouven: Rouven sitzt mir gegenüber und grinst mich an.
Daniel: Du hast so tief eingeatmet.
Rouven: Hallo erstmal zusammen. Das schneide ich weg.
Daniel: Nein, schneid das nicht weg. Das ist ja schön. Da musste ich leider – der war eine halbe Sekunde zu lang, der Einatmer.
Rouven: Ja, direkt schon mit dem Schnitt-Mastermind gedacht, damit ich das gut wegschneiden kann.
Daniel: So, also, herzlich willkommen hier zur neuen Folge. Wir haben gedacht, wir machen heute mal was ganz anderes als bisher. Bisher haben wir immer nur aus unserem Leben berichtet. Heute haben wir uns mit einer Untersuchung beschäftigt, darüber, welche Vatertypen es eigentlich gibt.
Rouven: Vatertyp ist irgendwie eine interessante Definition. Denn wenn ich so an meine Großeltern denke, da war Vatertyp immer derjenige, der die Familie ernährt. Bei dir auch so?
Daniel: Ja, also der Klassiker. Ich glaube, das hat sich so über die letzten zwei Generationen sehr gewandelt. Früher war ja das klassische: Vater geht arbeiten, ernährt die Familie, die Frau kümmert sich um die Kinder, ist auch zu Hause. Und irgendwann kam ja dieser Bruch, dass dann die Frauen auch mehr beschäftigt waren und irgendwann es ja mehr zum Standard wurde, dass die – dass beide Elternteile arbeiten gehen.
Rouven: Ja.
Daniel: Die Kinder relativ früh in die Kita. Und dadurch wandelt sich das, glaube ich, auch. Und dann gab es diese Aufsplittung, ne? Dieses, dann ist dieses historische Rollenbild, dieses klassische Rollenbild, nennen wir es mal, langsam aufgelöst worden, weil es auch so sein musste.
Rouven: Ja. Wir wollen uns heute mit einer Untersuchung beschäftigen, die heißt: "Neue Väter, andere Kinder – Vaterschaft, familiale Triade und Sozialisation".
Daniel: Die ist von 2003 bis 2006, wurde diese Untersuchung gemacht am Frankfurter Institut für Sozialforschung. Warum wir uns damit beschäftigen, erklären wir gleich noch mal. Ich habe mal nachgeschaut: Triade, weißt du, was das ist?
Rouven: Nee, ich hatte erst gedacht, das ist Triage, aber Triage wäre ja noch eine andere Kategorie.
Daniel: Familiäre Triage. Manchmal ist es sehr nah an der...
Rouven: Das hätte auch gepasst.
Daniel: Nee, also eine Triade ist einfach diese Dreieckskonstellation aus Kind, Vater, Mutter und "familiale" davor macht, glaube ich, dann auch Sinn.
Rouven: Also wäre ein Fünfeck dann bei uns.
Daniel: Ja, ja, ja, genau, richtig. Also, es geht in dieser Folge tatsächlich jetzt weniger um Zwillinge und um die Tatsache, dass wir Zwillinge haben. Es geht einfach mal generell um die Rolle als Vater, weil wir beide, glaube ich, auch schon viel darüber nachgedacht haben, wie wir uns als Väter eigentlich sehen, oder?
Rouven: Das auf jeden Fall, aber ich würde fast dir noch direkt widersprechen, um sehr, sehr freundlich zu formulieren, denn ich glaube, die Väterrolle ändert sich durch die mehr Kinder und man ist... da wird sich, also ich glaube, dass sich bei dir auch ein Wandel noch vollziehen wird, wenn die Kleinen da sind, von der von der Rolle, vor allem für das größere Kind.
Daniel: Mit diesem Widerspruch kann ich sehr gut leben, weil die anderen beiden halt noch nicht da sind und noch bin ich Vater von einem Kind, quasi. So, also es gibt diese Untersuchung, die hat sechs Vatertypen herausgebracht und um die wollen wir uns mal kümmern. Wir haben es gerade schon so kurz angerissen: Früher war es eigentlich immer so, Vater ist der Ernährer der Familie. Das ist inzwischen, ich sag mal, immer noch Teil der Aufgabe, aber viel wichtiger ist, dass noch ganz, ganz viele andere Aspekte beim Vater halt dazugekommen sind. Für diese Untersuchung, nur um das halt sauber zu haben: 1500 Fragebögen wurden ausgewertet und die haben viele Einzelinterviews geführt, dann auch noch mit verschiedenen Vätern, mit Familien und sogar mit Kindern. Und durchgeführt haben Andrea Bambey und Hans Walter Gumbinger diese Studie. Wir haben gedacht, wir schauen uns einfach mal die verschiedenen Vatertypen an, stellen euch die mal vor und teilen uns hinterher auch irgendwo in irgendeinen Vatertyp ein, oder?
Rouven: Ich hätte auch gesagt, machen wir entweder live dabei und dann...
Daniel: Genau. Also...
Rouven: Vielleicht eine Mischform.
Daniel: Ich glaube, wir fangen einfach mal an mit einem Vatertyp, den diese beiden als "traditionell distanziert" bezeichnen. Du hast dich damit beschäftigt. Was zeichnet diesen Vatertyp aus?
Rouven: Genau, das ist so eher der der klassische. Der sieht sich als Versorger der Familie, der kümmert sich halt darum, dass, ne, der geht höchstwahrscheinlich dann Vollzeit arbeiten. Die Frau ist zu Hause, kümmert sich um die Kinder. Eher funktional mit dem Kind, also es geht geht mit dem Kind zur zum Sport, also so das klassische, der Vater geht arbeiten und wenn er dann mit dem Kind was macht, geht er zum Fußball. Wenn es dann der Sohn ist, meistens, ne, dann geht er zum Fußball, kümmert sich halt so um das Allgemeine, macht dann so in so festen Slots und gibt danach das Kind dann gerne wieder ab. Kümmert sich also eigentlich nicht um die Erziehung, sondern ist, ich sag mal, für die Erziehung Beisitzer, gibt vielleicht seinen Input der Frau gegenüber, aber die Frau kümmert sich primär ums Kind und um die Erziehung und er macht halt die anderen Themen wie finanzielle Versorgung sowie Alltagsbespaßung mal zwischendurch, wenn er Zeit hat oder Lust hat vielleicht.
Daniel: Und wenn das Kind dabei ist, dann halt immer Entertainment und macht quasi die Dinge, die ihn sowieso interessieren, aber dann mit Kind, ja. Na ja, okay. Traditionell distanziert, würdest du dich da sehen?
Rouven: Ich glaube, die Chance besteht nicht an der Stelle. War ich aber vorher auch nicht. Ich glaube, also bei einem Kind nicht traditionell distanziert, aber dass dann da schon eher der Fokus war, man man geht arbeiten. Meine Frau war dann in Elternzeit. Also, ich habe dann auch die zwei Monate Elternzeit gemacht, aber dann war das schon so die Rolle Geld verdienen und dann natürlich auch mit dem Kind was machen, aber nicht traditionell distanziert, hätte ich jetzt gesagt.
Daniel: Ich finde das, also es ist natürlich irgendwie auch so, dass sich diese ganzen verschiedenen Rollenbilder irgendwo auch überschneiden, ne? Und man findet vielleicht immer mal eine Eigenschaft von sich selbst dann auch in so einem Rollenbild wieder. Das heißt ja nicht, dass man sich komplett dieser ganzen Rolle zuordnet.
Die zweite Vaterrolle, die beschrieben wird, das ist der "randständige Vater". Fand ich auch ganz interessant. Und ich habe zu dieser Rolle ein Bild gesehen, das fand ich sehr bezeichnend. Und zwar war das ein Bild von einem sehr langen Tisch und auf der einen Seite saß der Vater beim Abendessen und auf der komplett anderen Seite saßen Mutter und Kind beim Abendessen und dazwischen war halt ganz lange nichts. Und ich glaube, das beschreibt dieses Rollenbild schon ganz gut. Und dieser randständige Vater, der fühlt sich wenig akzeptiert in dieser Dreierkonstellation. Also ist nicht so traditionell, wie du das gerade beschrieben hast, dass der Vater sich ja wahrscheinlich auch ganz wohlfühlt in seiner Rolle, sondern es ist eigentlich eher so, dass er nicht sich in dieser Dreierkonstellation nicht wiederfindet und er geht davon aus, dass die Mutter sich wünscht, er würde mehr machen. Gleichzeitig hält er seine Partnerin auch für weniger kompetent und es sorgt dafür, dass er insgesamt total unsicher und unzufrieden ist, weil er sich in dieser Rolle dann am Ende nicht nicht wiederfindet.
Rouven: Also hätte ich eher was gesagt, das ist dann der Klassiker, wenn die Frau ein Kind möchte, der Mann aber kein Kind möchte. Hört sich jetzt, ich habe mich wirklich mit den Rollen, die du dir, sage ich mal, mehr genommen hattest, gar nicht so mit beschäftigt. Also es hört für mich sich so an, so: Die Frau wollte ein Kind und sagte: "Ja, du wolltest halt ein Kind und dann muss sie sich auch drum kümmern." So, also sehr schwierige Idee, finde ich, aber na ja.
Daniel: Es wird beschrieben. Also, das sind ja alles Erfahrungen, die die gesammelt haben im Interview mit halt dann in dem Fall Vätern, aber auch mit mit Müttern und Kindern. Sie beschreiben, dass in die diese randständigen Väter, was immerhin 10 % der Väter sind oder waren 2003 bis 2006, wird sich mit Sicherheit einiges gewandelt haben. Das Problem ist halt dann häufig, wenn die Mutter so ein klassisches, wirklich klassisches Rollenbild hat, wenn die vielleicht traditionell distanziert ist, der Vater dann aber denkt, okay, da darf ich nicht dazwischenfunken, ich würde aber gerne und deswegen halt unzufrieden ist, dann dann wird er halt in diese Rolle gedrängt. Zu beschreiben ist viele Väter. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass man sich in der Beziehung nicht gut genug darüber ausgetauscht hat, wie sehen wir uns eigentlich gegenseitig? Vielleicht hat der Vater auch nur das Gefühl, die Mütter, die Mutter wäre so ein klassisches Rollenbild. Und da ist einfach, glaube ich, sehr viel sehr viel Missmanagement in der Beziehung. Und jetzt kommt nämlich noch ein Punkt, der damit reinspielt: Für die Mutter ist in dieser Konstellation häufig die Mutter-Kind-Beziehung wichtiger als die Paarbeziehung. Also, wenn die Mutter sich an das Kind klammert und dann die die Beziehung zu ihrem Partner so ein bisschen schleifen lässt, sorgt das halt dafür, dass dann diese randständigen Väter entstehen. Ich glaube, in Summe ist es aber, dass einfach alle nicht gut genug kommuniziert haben und nicht klar genug gemacht haben, wie sie sich eigentlich gerne engagieren wollen.
Rouven: Das ist immer so das klassische Kommunikationsproblem, was man bei bei allen Themen hat. Weil wenn jeder sagt, mal klar sagt, was er möchte, und man sich auf was entweder auf was einigt oder auch sich einig ist, dass man sich uneinig ist, was ja auch völlig okay sein kann an gewissen Stellen, dann geht's halt wieder voran. Aber diese Missverständnisse, man hofft, der andere soll mehr machen und man erwartet, der andere macht mehr oder soll...
Daniel: Ja, ja, und der andere denkt dann wieder, ich darf mich nicht einmischen, das stört...
Rouven: Richtig. Das stört, stört, das stört den anderen, wenn ich jetzt was mache oder sage, der ist doch gerade dran. Und danach gehen beide auseinander und ärgern sich stundenlang, anstatt dass man sagt, so, könntest du nicht auch mal das machen oder...
Daniel: Ja, ja. Es ist so eine so eine Henne-Ei-Thematik, ne? Also, wo beginnt das Ganze? Fand ich auf jeden Fall auch ganz interessant. Ich glaube, dass das bei uns nicht so ist. Ich kann mir das aber gut vorstellen, dass das passiert. Also, das passt schon in meinen Kopf, dass je nach Konstellation, dass das passieren kann.
Das also dieser zweite Vatertyp. Dann kommen wir zum dritten, das ist der "fassadenhafte Vater".
Rouven: Ja, das ist so der der Typus, der gerne sich mit dem Kind zeigt und nach außen den guten Vater mimt, also nicht nicht mal bösartig. Ich glaube, das hat eher was mit Selbstgeltungsbedürfnis zu tun, aber das andere dahinter nicht gerne macht. Also sich nicht tief mit der Erziehung beschäftigen will, sich nicht mit, ich sag jetzt, den dreckigen Windeln beschäftigen will. Am besten ist das Kind schick angezogen, fertig, sauber und dann geht man vor die Tür spazieren. Also weißt du, richtig schön auf dem Arm, mein kleines Kind, das ist doch so nett und so hübsch und benimmt sich gut und dann wird das Kind danach wieder abgegeben, sobald keiner mehr zuschaut.
Daniel: Ja, ist halt sehr sehr stark von der Partnerin abhängig, dass das das funktioniert, dass sie sich halt eigentlich um alles außenrum kümmert.
Rouven: Ja.
Daniel: Ne? Alles läuft, alles funktioniert. Das Kind ist picobello und dann kann er seinen großen Auftritt haben und kümmert sich halt sonst eher um, ne, vielleicht ums Finanzielle oder andere Themen. Also auch noch unschöner als das traditionelle, wo klar ist, wie man den Split hat, sondern sich so ein bisschen nur nach außen so gibt, dass man das mit dem Kind alles toll kann und will.
Rouven: Ja, ja, nur die Sahne von der Torte wegessen, ne? Ja, ja. Wir kommen zum vierten Typ. Übrigens, ach so, das fand ich noch interessant: Der fassadenhafte Vater, 25 % der Väter.
Daniel: Ja.
Rouven: Also, wie gut, dass 2003 schon auch mehr als 20 Jahre her ist. Hat sich hoffentlich noch ein bisschen was getan.
Daniel: Viel, ja.
Rouven: Ist viel, ne? Finde ich, finde ich echt auch viel. So, der vierte Vater: "Unsicher-gereizter Vater". Das ist die Kategorie.
Daniel: Klingt spannend.
Rouven: Klingt spannend. Wobei, ich würde jetzt direkt mal das "gereizt" als Folgereaktion schon mal identifizieren. Bei dem unsicher-gereizten Vater ist nämlich so, dass er sehr schwer in seine Rolle findet. Auch das kann ich mir gut vorstellen, wenn man vielleicht auch sehr sicher im Leben stand, bevor man das erste Kind bekommen hat und dann ist plötzlich das Kind da und man kommt mit seinen Formeln, die man so hat für den Alltag plötzlich nicht mehr zurande, weil alles nicht mehr nach nach A + B = C Quadrat läuft oder A Quadrat + B Quadrat = C Quadrat.
Daniel: Irgendwo war was falsch.
Rouven: Irgendwo war was falsch. Aber genau das ist ja das Problem. Und dann dann kommt man plötzlich mit dieser Rolle, die man hat, nicht mehr zurecht und resultiert häufig in einer problematischen Vater-Kind-Beziehung, dass da quasi auch kein Verhältnis ist zwischen den beiden. Und der das das eigentliche Ursprungsproblem ist, dass der Vater eigentlich offen ist für neue Vatertypen, gleichzeitig aber in sich so viel Traditionelles hat, dass er die Rollen nicht übereinander bekommt. Im Grunde genommen vom Gefühl, von dem, was man ihm vielleicht auch mitgegeben hat, sehr traditionell. Gleichzeitig sieht man viele Väter, die sich neu definieren, findet das cool und weiß dann nicht, wie man diese beiden Rollen zusammenbringen soll bzw. wie man sich selbst darin definieren soll und das clasht dann am Ende und da kommt die Unsicherheit raus und dann mit Sicherheit auch das Gereizte, weil man selbst einfach unzufrieden ist.
Daniel: Vielleicht hast du da auch so ein Match zu den fassadenhaften Vätern, weil manchmal siehst du dann ja, wie die anderen, wie toll das funktioniert bei manchen. Die sehen ja aber nicht, welche Arbeit dahinter ist oder wer die Arbeit macht.
Rouven: Ja, ja.
Daniel: Und dann, ne, dann siehst du den, der hat die das Kindchen schick ist angezogen, du hast deins, das ist total verwurschtelt und hat irgendwie keine Ahnung, ist noch voller Schokolade und alles vollgeschmiert und will gerade nicht und das andere Kind ist einfach nur so ruhig beim Vater, weil es so selten beim Vater ist, weil das ist ja auch ein Teil davon: Die Kinder öffnen sich und haben Probleme bei dem Elternteil, das zuhört. Sind ja sonst auch in sich gekehrter und wenn der Vater sich sonst mit dem Kind nicht beschäftigt viel, ne? Das ist dann so, dann ist diese diese Selbstwahrnehmung zu Fremdwahrnehmung, das ist wie dieses mit Instagram, wo alle ganz toll sind und in Urlaub waren und haben sich nur vor der Fototapete fotografiert. Und das ist genau das und dann schürt das auch eine gewisse Unsicherheit, dass man was falsch macht vielleicht.
Rouven: Ja.
Daniel: Vielleicht helfen wir ja irgend so einem Vater mit unserem unseren Gesprächen, unserem Podcast, da in die Richtung zu gehen, auch was anderes noch auszuprobieren und sich zu trauen.
Rouven: Das wäre schön. Das wäre sehr schön. Wir kommen zum fünften Vater, der "egalitäre Vater".
Daniel: Genau, das ist so der Typ, der sich so von den traditionellen Rollenbildern löst, beschäftigt sich sehr viel mit dem Kind, gleichwertig in der Erziehung zu den Kindern, versucht es mit denen auch, also mit der Frau abgestimmt in eine einheitliche Richtung zu gehen. Ist flexibel in den ganzen Themen, also versucht sich auch neu zu erfinden und damit das Kind auch vorwärts zu treiben. Andererseits auch, dass er vielleicht zu viel fordert vom Kind, weil er selber sich sehr viel damit beschäftigt und das Ganze voranzutreiben. Und ich glaube, das ist sowas, wo man sich auch sehr, also wo ich mich sehen würde, als Teil, so 70 %. Man sagt, man man man beschäftigt sich viel mit dem Kind, man macht viel mit dem Kind, man will aber auch manchmal zu viel vom Kind. So, das ist dann halt so die die die Downside, würde ich sagen. Was auch in der Studie beschrieben war, war, dass viele das sich so sehen, aber gleichzeitig die traditionellen Rollenbilder durch Geld verdienen oder sowas trotzdem gleichzeitig noch in sich tragen. Und es ist auch, glaube ich, schwierig an der Stelle: Man ist nicht ein Typus. Also, worüber wir reden, ist glaube ich nicht ein Typ und man sagt auch nicht, der eine kümmert sich nur um das eine immer, sondern es gibt bestimmt immer Momente, wo man in andere Rollen fällt. Und die Frage ist natürlich, wie viel Prozent ist man gemischt aus welchen Bereichen.
Rouven: Sämtliche Väter der Welt in sechs Rollenbilder zu packen, ist natürlich auch schwierig und das ist ja häufig auch auf mehreren Ebenen interessant. Wenn ich jetzt traditionelle Rollenbilder habe, das Ganze aber ständig mit einem Augenzwinkern sehe, ist natürlich was anderes, als wenn ich den Rohrstock in der Hand habe, ne? Also, das hat dann halt auch auf Kinder unterschiedliche Auswirkungen und so einfach ist es halt häufig nicht, aber das sind sind halt ganz grobe Vatertypen, die man in dieser Studie halt identifiziert hat.
Daniel: Was ich auch, also wir haben uns ja auch andere Studien angeguckt in der Recherche und im Endeffekt gibt's dann immer andere Benamungen, andere Gruppen, die haben dann hohe Überschneidungen mit den Gruppen, die wir jetzt hier gerade besprechen, aber dann ist wieder ein Konzept, eine Konzeptidee ist wieder in einer anderen Gruppe gelandet einfach. Und dann es ist halt, wie man dann die Fragebögen entwirft, wie man das Ganze unterteilen will und ist halt alles nicht in Stein gemeißelt.
Rouven: Genau. Ist halt am einfachsten, wenn man solche Vatertypen definiert und damit sich alle irgendwie was vorstellen können und häufig passt es ja, dass man denkt, ah ja, kann ich mir vorstellen, dass das jemand so ist, aber am Ende ist es halt einfach eine Ansammlung von Eigenschaften.
Wir kommen noch zum letzten: Der "traditionell partnerschaftliche Vater" ist eigentlich sehr ähnlich dem egalitären Vater, stark engagiert in der Erziehung, geduldig, wird von der Partnerin auch in hohem Maße akzeptiert, auch zu Hause, also sehr sehr gleich alles, aber er hat so eine Neigung zu traditionellen Rollenvorstellungen. Also, sie bügelt, er trinkt das Bier, aber gleichzeitig vielleicht sehr fortschrittlich am Spielplatz oder geht geht in Teilzeit oder sowas, ne? Interessant an der Stelle, das sind häufig Väter, die eigentlich gar keinen Kinderwunsch hatten. Also, die vielleicht auch ohne Kinder total zufrieden gewesen wären. Warum auch immer, hat man sich dann doch dafür entschieden und ist am Ende dann aber so, dass diese traditionellen Dinge halt doch noch durchscheinen und gleichzeitig ist man ist man aufgeschlossen.
Daniel: Eigentlich auch, also finde ich jetzt gar nicht so schlecht, wenn man sagt so, ne, man wollte eigentlich nicht, aber man man passt sich halt der Situation an, nimmt das an, dass es so kommt und ja, gut, man hat halt sein Bild dann davon gehabt höchstwahrscheinlich, aber wenn man sonst sich voll einsetzt dabei.
Rouven: Es ist ja auch so, da müssen wir vielleicht auch noch mal drüber sprechen. Dieses, der Vater ist der Ernährer der Familie, das ist natürlich ein sehr, sehr altes Bild, worüber schon viel gesprochen wurde und man versucht es ja immer so so wegzuschieben. Und gleichzeitig weiß ich nicht, ob das ob das immer möglich ist. Wenn ich jetzt z.B. an unsere Situationen gedacht habe, nach der ersten Geburt, wo es dann auch sehr lange mit Wochenbett gedauert hat und auch mit der Tatsache, dass meine Partnerin gestillt hat und so. Da war es natürlich so, dass ich mehr arbeiten gegangen bin und sie hat mehr Care-Arbeit geleistet. Das war halt einfach so, weil also Geld braucht man ja halt irgendwie, also kann man ja auch verteufeln, wie man will, das Geld muss ja irgendwie auch reinkommen. Und gleichzeitig hat man halt zu Hause Aufgaben und wenn jetzt z.B. durch das Stillen es nicht möglich ist, dass das beide arbeiten gehen oder sich eine Person noch nicht so fit fühlt oder so, was will man denn machen? Also, das das Geld muss ja irgendwie reinkommen. Und ich glaube tatsächlich, das wo alle ein bisschen entspannter sein müssten, ist halt bei der Tatsache, dass man es halt einer Person zuordnet. Und bei uns war es jetzt halt durch verschiedene Parameter so, dass ich mehr arbeiten gegangen bin, mehr Geld reingeholt habe und meine Partnerin ist mehr zu Hause geblieben. Wichtig ist, glaube ich, nur von der Einstellung her, dass es theoretisch auch anders sein könnte und dass da niemand was dagegen hätte. Dass man immer, also das Problem beginnt doch an der Stelle, wo wir sagen, nur der Vater darf arbeiten gehen und die Frau nicht.
Daniel: Bin ich bei dir. Also, ich hätte jetzt auch kein Thema damit. Es ist halt biologisch einfach, also gesetzter, sage ich mal, mit Stillen, mit anderen Umgebungsvariablen, dass die Frau sich um das Kind kümmert. Macht dann im ersten halben Jahr einfach viel mehr Sinn.
Rouven: Ja.
Daniel: So. Und wer danach sich dann darum kümmert. Ich sehe das auch im im Kita-Umfeld und anderen Bereichen. Es hängt dann immer davon ab, dann ist der Vater in Elternzeit, die Mutter. Sobald das Kind, sage ich mal, nicht mehr so an die Mutter gebunden ist, zwingend, dann ist es ja auch egal, wer es macht. Und dann hängt es natürlich davon ab, wie ist es vorher gewesen, wie viel kann denn jeder in seinem zugehörigen Job auch verdienen? Man kann ja nicht beliebig hingehen und sagen, okay, der Vater hat jetzt 70 % verdient, die Frau 30, hatte vielleicht vorher schon ein Kind, war in Teilzeit. Die kann jetzt ja nicht zu ihrem Arbeitgeber hingehen und sagen, ich möchte jetzt übrigens Vollzeit arbeiten. Also, kann sie natürlich schon. Und ich möchte jetzt das doppelte Gehalt haben, weil ich bin jetzt hier der die Ernährerin der Familie. Ja. Also, das muss natürlich auch im Umfeld passen. Und es gibt bestimmt auch andere Fälle, wo die Frau vorher mehr verdient hat oder die Haupternährerin war und das dann auch direkt wieder zurückgeswitcht wird. Also, wie du gesagt hast, ich ich glaube, man kann sich davon nicht lösen. Es wäre schön, in der idealen Welt könnte man einfach sagen, alle kümmern sich ums Kind und oder man man kümmert sich nur um die Familie, aber man hat ja auch wirtschaftliche Zwänge außerhalb.
Rouven: Genau. Also, Kind kommt auf die Welt, Elterngeld 20.000 €. Ich glaube, wir würden beide sechs Monate zu Hause bleiben. Also, das wäre nicht schlecht. Nee, also, und eine Sache, die tatsächlich auch noch wichtig ist, wir müssen davon weg, dass wir dass man halt nur auf der einen Seite von Arbeit spricht, ne? Also, wir reden jetzt gerade über Lohnarbeit, aber die ganze Care-Arbeit zu Hause ist halt genauso wichtig und sollte genauso in die gesamte Beurteilung mit einfließen. Das ist, glaube ich, häufig früher falsch gelaufen, dass nur das eine als richtige Arbeit bezeichnet wurde. Das andere ist teilweise wesentlich anstrengender, als rauszugehen, 8 Stunden zu arbeiten im eigenen Tempo und dann wieder nach Hause zu kommen. Also...
Daniel: Ja, man kann halt nicht ausstempeln, wenn das Kind krank ist und sagen, ich habe jetzt aber meine Schicht ist zu Ende.
Rouven: Genau.
Daniel: Das funktioniert leider nicht.
Rouven: Mittagspause, sei ruhig! Ganz interessant, also diese sechs Vätertypen, die wir gerade besprochen haben, das ist eine Studie, die 20 Jahre alt ist, haben wir auch am Anfang gesagt. Es gab jetzt vor zwei Jahren auch noch so eine Untersuchung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, einen Väterreport. Da ging es im Prinzip um ähnliche Themen und da wollen wir jetzt natürlich nicht die Vätertypen, die die rauskristallisiert haben, auch noch besprechen. Was ich ganz interessant fand: Die meisten Väter wollen eine gleichberechtigte Kinderbetreuung und dennoch sind viele dann irgendwie doch in traditionellen Rollen dann irgendwie noch verankert und das führt dann halt dazu, dass die Lastverteilung bei den Müttern halt doch häufig noch mehr ist als bei den Männern. Also viel guter Willen, aber so ganz bekommt man das nicht hin. Und häufig ist auch einfach eine Diskrepanz zwischen Wirklichkeit und dem, was man sich so vorstellt. Nämlich jeder Zweite sagt, dass er die Hälfte der Betreuung übernimmt und dann hat man untersucht, wie viel es letztendlich ist.
Daniel: 30/70.
Rouven: 20/80.
Daniel: Es ist aber immer, wenn jeder glaubt, er macht mehr, das ist aber in jedem Bereich so. Jeder glaubt mehr, er macht mehr als der andere.
Rouven: Ja.
Daniel: Theoretisch müsstest du überall 200 % oder 140 % erreichen und jeder glaubt das halt, weil du nur das siehst, was du selber tust und nicht das, was der andere tust, siehst zwingend. Und das ist...
Rouven: Gibt's interessante Bücher zu auch.
Daniel: Finde ich spannend. Scheint also weit verbreitet dieses Phänomen bei Männern, dass sie dass sie denken, sie würden die Hälfte machen, dabei ist es nur 20 %. Also, vielleicht auch noch mal sich selbst ein bisschen aus der Vogelperspektive beobachten im Alltag, wie viel man tatsächlich letztendlich wirklich macht. Ich finde es irgendwie spannend, sich darüber Gedanken zu machen, welche Vaterrollen gibt es, wo man sich selbst dann halt auch einordnet. Das ist natürlich alles immer mit so ein bisschen Einschränkungen zu beobachten. Jetzt z.B. diese erste Untersuchung, das waren alles Väter aus dem Rhein-Main-Gebiet. Ich weiß nicht, wenn man dieselbe Untersuchung jetzt in Italien machen würde oder vielleicht auch nur im Osten Deutschlands, ob dann dasselbe dabei rauskommt, ne? Also, da muss man halt immer so ein bisschen schauen, wie ist man am Ende zu dem Ergebnis gelangt. Natürlich können wir jetzt auch nicht abschließend alle Vaterrollenstudien der Welt hier besprechen in diesem Podcast. Aber wir können halt unsere eigene Einstellung dazu kundtun und vielleicht macht ihr das gerne auch mal. Schreibt uns gerne entweder über unsere Website allegutendinge.com, da könnt ihr uns erreichen oder über Instagram. Wo ich gedacht habe, könnten wir vielleicht noch mal drüber sprechen: Wo ist eigentlich Gleichheit zwischen Partnern und Partnerinnen möglich? Auf welchen Ebenen? Und zwar wird das ja häufig als das gelobte Ziel definiert und gleichzeitig ist es nicht an allen Ecken und Enden möglich. Das einfachste Beispiel ist halt Stillen. Da Gleichheit funktioniert halt einfach nicht. Es kann halt aus biologischen Gründen nur eine Person stillen. Was aber nicht heißt, dass dass man sich nicht trotzdem Aufgaben teilen kann, ne?
Daniel: Ich weiß auch gar nicht, ob dieses Gleichheit, das ist immer so eine, ich will jetzt nicht sagen eine fixe Idee und das macht an vielen Stellen auch Sinn. Aber es gibt halt Sachen, wo die Unterschiede eher ja dazu führen, dass halt jeder seine eigene Perspektive einbringt und sag ich mal auch bei der Erziehung, dass man sagt, ja, jetzt wenn jetzt alle sich immer das Gleiche überlegen würden, kommt ja auch nicht zum Ziel. Und das ist es ja manchmal der Unterschied im Umgang von Vater und Mutter zum Kind, die andere Beziehung, andere Ideen, vielleicht mal etwas mutiger in gewissen Bereichen zu sein oder was konservativer. Diese Unterschiede führen ja dazu, dass das sich wieder was bewegt, sonst ist man so festgefahren. Wenn alle das Gleiche immer wieder machen, merkt man immer wieder, wenn man morgens was macht und macht immer wieder das Gleiche und es funktioniert nicht, versucht das zum vierten Mal, funktioniert es wieder nicht. Surprise, surprise. Und da ist, glaube ich, der Unterschied, dass man nicht alles, nicht jeder alles machen kann, wie Stillen und anderes. Das ist halt eine andere Beziehung dann zu den Kindern und das führt auch dazu, dass noch Bewegung, Dynamik drin ist, dass man was verändern kann. Also, ich finde es eher positiv.
Rouven: Ja, ich glaube, das, was man nicht machen darf, ist halt bestimmten Geschlechtern einzig und allein bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben, sondern es muss halt für alle die Möglichkeit sein, sich in alle Richtungen zu entfalten, wenn sie es gerne wollen. Und das macht's ja hinterher am Ende auch interessant, aber nur weil ich weiblich bin, heißt ja nicht, dass ich keinen Hammer in die Hand nehmen darf. Also, das ist das ist ja das ist ja Quatsch. Ich habe noch darüber nachgedacht, dass z.B., ich finde, wo Gleichheit wirklich Sinn macht, ist bei so Dingen wie Emotionen. So dieser typische Satz: Männer weinen nicht. Ich glaube, das ist das Schlimmste, was man Kindern sagen darf, was man was man Kindern sagen kann, weil natürlich haben Männer auch Emotionen und Männer können auch weinen und es gibt mit Sicherheit auch Männer, die dann wesentlich emotionaler sind als ihre Partnerinnen und das ist voll okay und das soll halt auch so sein.
Daniel: Am Ende einfach, ich glaube, das Wichtige ist einfach offen zu sein dafür, dass jeder sein eigenes Profil hat.
Rouven: Wir kommen jetzt so langsam zum Ende dieser Folge. Ich glaube, das, was du vorhin meintest, das ist noch mal so ein richtig schöner abschließender Punkt: Das ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn ich jetzt feststelle, nachdem ich gehört habe, okay, die und die Vatertypen gibt es und jetzt stelle ich plötzlich fest, oh, ich bin bisher vielleicht eher im traditionellen Bereich unterwegs. Das kann man von heute auf morgen ändern. Man kann von heute eigentlich ist nur ein Schnipser im Kopf, dass man sagt: Nee, ich möchte mehr von meinem Kind mitbekommen, als dass ich abends um 18 Uhr nach Hause komme und dann noch gute Nacht sage und dann bringt die Partnerin das Kind ins Bett. Es ist von heute auf morgen möglich zu sagen, jetzt mache ich das mal, jetzt lege ich mich mal daneben. Es ist einfach nur eine Sache von: Möchte ich das? Und das das ist das Schöne und das Schlimme an der Stelle. Man muss halt selbst sagen, ich möchte jetzt was verändern, ich möchte mich jetzt anders definieren.
Daniel: Und das Schöne ist, es geht von jetzt auf gleich.
Rouven: Wie immer.
Daniel: Das ist die Krux an der ganzen Sache. Es geht, man muss nur wollen und noch mal, das aber auch kommunizieren, sonst ist auf einmal der andere nämlich ganz überrascht, dass auf einmal irgendwas passiert. Dann guckt er nämlich mit ganz großen Augen einen an, dass man irgendwas komplett anders macht und denkt, was ist denn jetzt passiert? Deswegen, aber ja, das ist das Schöne daran. Es geht.
Rouven: Danke fürs Zuhören. Wir sind in zwei Wochen wieder da. Bis dann.
Daniel: Vielen Dank. Ciao.
*** Erstellt mit Gemini AI ***